Plötzlich sah sie einigermaßen erstaunt, daß die Leute näher kamen! Das Geschrei wurde lauter. Sie sah auch, daß eine Telegraphenstange, die im Augenblick noch aufrecht gestanden hatte, umsank und verschwand. Die Drähte über ihr zitterten.
Sie achtete nicht mehr auf Ediths lebhafte Fragen, sondern eilte rasch und erregt vorwärts. Was taten sie? Was war geschehen? Ihr wurde ganz heiß im Kopf und einen Augenblick dachte sie daran, umzukehren und sich ins Haus einzuschließen, wie Mac ihr befohlen hatte.
Aber es erschien ihr feige, unglückliche Menschen zu fliehen aus Angst vor dem Anblick fremden Unglücks. Wenn sie auch nicht viel nützen konnte, so konnte sie doch gewiß etwas tun. Und alle kannten sie ja, die Weiber und die Männer und grüßten sie und erwiesen ihr kleine Dienste, wo immer sie erschien! Und Mac? Was würde Mac getan haben, wenn er hier wäre? Mitten unter ihnen würde er stehen ...! dachte Maud.
Die Menge wälzte sich heran.
„Weshalb schreien sie denn nur so?“ fragte Edith, die ängstlich zu werden begann. „Und warum singen sie, Mama?“
Ja, in der Tat, sie sangen! Ein heulender, wirrer Gesang kam mit ihnen näher. Schreie und Rufe drangen daraus hervor. Es war ein ganzes Heer, verstreut über das graue Schuttfeld, Kopf an Kopf. Und Maud sah, daß eine Rotte eine kleine Feldlokomotive mit Steinwürfen demolierte.
„Mama —?“
„Was war das? Ich hätte nicht ausgehen sollen,“ dachte Maud und blieb erschrocken stehen. Nun aber war es zu spät umzukehren ...
Man hatte sie entdeckt. Sie sah, daß die vorderen die Arme gegen sie reckten und plötzlich ihren Weg verließen und auf sie zukamen. Zu ihrem Schrecken bemerkte sie, daß sie liefen und rannten. Aber sie faßte wieder Mut, als sie sah, daß es meistens Frauen waren. „Es sind ja nur Frauen ...“
Sie ging ihnen entgegen, plötzlich von grenzenlosem Mitleid für diese Armen erfüllt. Oh, Gott, es mußte etwas Grauenhaftes geschehen sein!