Ein wildes Triumphgeheul erscholl. Schreie, Gelächter, wirre Rufe: „Mac soll bezahlen! Ja bezahlen soll er, am eigenen Leibe soll er fühlen — in der Falle fing er sie — Tausende —“

Nun aber wurde kein Stein mehr geschleudert! Die rasende Menge zog plötzlich weiter. „Laßt sie liegen, sie werden schon von selbst aufstehen!“ Nur die fanatische Italienerin beugte sich noch mit ihren entblößten hängenden Brüsten über die am Boden Liegenden und spie nach ihnen. Und nun die Häuser der Ingenieure! Fort, vorwärts! Alle sollten sie daran glauben! Aber die Wut war nach dem Überfall auf Maud abgekühlt. Alle hatten das dumpfe Gefühl, daß hier etwas geschehen sei, das nicht in Ordnung war. Truppe lösten sich ab und verstreuten sich über das Schuttfeld. Hunderte blieben unauffällig zurück und stolperten quer über die Schienen. Als die wütende Kopfgruppe, von der Italienerin angeführt, die Villen der Ingenieure erreichte, war sie so zusammengeschmolzen, daß ein einziger Polizist sie in Schach halten konnte.

Sie zerstreute sich nach und nach.

Und nun brach wieder der Schmerz aus, das Elend, die Verzweiflung. Überall liefen Frauen, die in die Schürze weinten. Im Regen liefen sie, im Wind, sie stolperten und achteten nicht auf den Boden.


Alle hatten sich rasend, grausam und schadenfroh, fortgerissen von einem dunkeln Massenwahnsinn, von Maud und Edith entfernt und die beiden lagen eine lange Zeit im Regen, mitten im Schuttfeld, von niemand beachtet.

Dann kam ein kleines Mädchen von zwölf Jahren mit herabhängenden roten Strümpfen zu ihnen. Sie hatte mit angesehen, wie man „Macs wife“ mit Steinen beworfen hatte. Sie kannte Maud, denn sie war im vorigen Jahr lange Wochen im Hospital gelegen.

Dieses Mädchen wurde von einem schlichten menschlichen Impuls hierhergetrieben. Da stand sie nun mit ihren herabhängenden Strümpfen und wagte sich nicht heran. In einiger Entfernung standen ein paar Frauen und Männer, die sich ebenfalls nicht heranwagten. Endlich ging das Mädchen etwas näher, bleich vor Angst und da hörte sie ein leises Wimmern.

Sie wich erschrocken zurück und begann plötzlich rasch zu laufen.

Das Hospital lag wie ausgestorben im rieselnden Regen und das Mädchen wagte nicht zu klingeln. Erst als jemand aus der Türe kam, eine Aufwärterin, trat das Mädchen ans Gitter und sagte, in die Richtung der Station deutend: „Sie liegen da drüben!“