Er nahm Mauds kleine, runde Hand und betrachtete sie mit hohlen, verbrannten Augen. Die Hand war kalt, aber sie mußte es ja sein, denn sie war tot, und die Kälte schreckte ihn nicht. Jede Linie dieser Hand kannte er, jeden Nagel, jedes Gelenk. Über die linke Schläfe hatte man den braunen seidigen Scheitel tiefer gestrichen. Aber er sah durch das Gespinst des Haares hindurch ein bläuliches, unscheinbares Mal. Hier hatte der Stein sie getroffen, dieser Stein, den er Tausende von Metern tief unter dem Meere hatte aus dem Berge sprengen lassen. Verflucht seien die Menschen und er selbst! Verflucht sei der Tunnel!

Ahnungslos war sie dem bösartigen Schicksal begegnet, als es blind und weitausschreitend vor Wut des Weges kam. Warum hatte sie seine Weisung nicht befolgt? Er hatte sie ja nur vor Schmähungen beschützen wollen.

Daran hatte er nicht gedacht! Warum war er nicht hier, gerade heute?

Allan dachte daran, daß er selbst zwei Menschen niedergeschossen hatte, als sie damals die Mine Juan Alvarez stürmten. Er hätte, ohne sich zu besinnen, Hunderte niedergeschossen, um Maud zu verteidigen. Er wäre ihr ins tiefe Meer gefolgt, keine Phrase, er hätte sie gegen hunderttausend wilde Tiere verteidigt, solange er noch einen Finger bewegen konnte. Aber er war nicht hier ...

Die Gedanken irrten in seinem Kopf, Liebkosungen und Flüche, aber er dachte gar nichts.

Da pochte es zaghaft an der Tür. „Herr Allan?“

„Ja?“

„Herr Allan ... Edith ...“

Er stand auf und sah nach, ob die Kerze fest im Leuchter stecke, damit sie nicht etwa umfalle. Dann ging er zur Tür und von hier aus sah er Maud nochmals an. In seinem Geiste sah er, wie er sich selbst über die geliebte Frau warf, sie umschlang, schluchzte, schrie, betete, sie um Verzeihung bat für jeden Augenblick, da er sie nicht glücklich gemacht hatte — in Wirklichkeit aber stand er an der Tür und sah sie an.