„Fräulein,“ sagte er endlich mit großer Mühe, „wer sind Sie?“
„Ich bin Fräulein Evelin.“
„Fräulein Evelin,“ fuhr Allan fort, fremd, flüsternd, weich klang seine Stimme, „ich möchte Sie um einen Dienst bitten. Ich selbst will es nicht, ich kann es nicht — ich möchte eine kleine Strähne Haar von meiner Frau und meinem Kind gern aufbewahren. Könnten Sie das besorgen für mich? Aber niemand darf es wissen. Wollen Sie mir das versprechen?“
„Ja, Herr Allan.“ Sie sah, daß seine Augen voll Wasser standen.
„Ich werde Ihnen mein ganzes Leben lang dankbar sein, Fräulein Evelin.“
Im dunklen Wohnzimmer saß in einem Sessel eine Gestalt, eine schlanke Frau, die leise weinte und das Gesicht ins Taschentuch preßte. Als er vorbeikam, stand die Frau auf und streckte ihm die blassen Hände entgegen und flüsterte: „Allan —!“
Aber er ging vorüber und erst viele Tage später fiel ihm ein, daß die Frau Ethel Lloyd gewesen war.
Allan ging in den Garten hinunter. Es schien ihm schrecklich kalt geworden zu sein, tiefer Winter, und er wickelte sich fest in den Mantel. Eine Weile ging er auf dem Tennisplatz hin und her, dann schritt er zwischen nassen Büschen hinab zum Meer. Das Meer leckte und rauschte und warf gleichmäßig atmend seine Gischtkrausen über den nassen, glatten Sand.
Allan blickte über die Büsche und sah auf den Giebel des Hauses. Dort lagen sie. Und er blickte nach Südosten über das Meer. Dort unten lagen die andern. Dort unten lag Hobby, mit verkrampften Fingern und dem zurückgebogenen Hals der Erstickten.
Es wurde immer kälter. Ja, ein schauerlicher Frost schien vom Meer herzukommen. Allan war ganz aus Eis. Er fror. Seine Hände erstarrten genau wie in größter Winterkälte und sein Gesicht wurde steif. Er sah aber ganz deutlich, daß nicht einmal der Sand gefroren war, obwohl es knisterte, als zertrete er feine Eiskristalle.