Es ging auf Leben und Tod.

Geld! Geld! Geld!

Es fehlten ihm drei bis vier Millionen Dollar. Eine Kleinigkeit verhältnismäßig. Zwei, drei gelungene Coups und er hatte wieder Boden unter den Füßen.

Es galt, und S. Woolf verteidigte sich heroisch.

Er stürzte sich vorerst in einen weniger gefährlichen Kleinkrieg, aber als der Sommer kam und er nur schrittweise Boden gewonnen hatte, war er gezwungen, ein großes Treffen anzunehmen. S. Woolf zögerte nicht, ins Feuer zu gehen. Er versuchte es nochmals mit der Baumwolle und legte seine Hand gleichzeitig auf das Zinn. Wenn diese Riesenspekulationen nur einigermaßen gelangen, so war er gerettet.

Monatelang lebte er in Schlafwagen und Schiffskabinen.

Er bereiste Europa und Rußland, um nach Stellungen auszuspähen, die einen Sturm lohnten. Seine persönlichen Ausgaben schränkte er nach Möglichkeit ein. Weder Extrazüge noch Salonwagen mehr, S. Woolf begnügte sich mit einem regulären Kupee erster Klasse. In London und Paris kündigte er seinen Königinnen, die große Summen verschlangen. Sie verteidigten ihre Festungen mit Schaum vor den bleichen Lippen. Allein sie hatten nicht daran gedacht, daß sie mit S. Woolf kämpften, der mit der Möglichkeit einer plötzlichen Auflösung seines Hofstaates seit einem Jahr gerechnet hatte und die Göttinnen schon seit Monaten durch Detektive beobachten ließ. Er wies ihnen mit vorzüglich gespielter Empörung nach, daß sie am 10. Mai, 15. Mai, 16. Mai — an dem und jenem Datum — mit Herrn X. und Z. da und da gewesen seien — auf kleinen „Erholungsreisen“ — er ließ aus Sprechmaschinen alle Gespräche, die geführt worden waren, vor den Entsetzten wiederholen, er zeigte ihnen, daß Böden und Decken angebohrt waren und an jeder Öffnung Tag und Nacht ein Auge und ein Ohr gelauert hatte — bis die Königinnen Herzkrämpfe bekamen. Dann setzte er sie auf die Straße.

Er fuhr wie ein Rachegott über Europa hin und entließ eine Schar seiner Befehlshaber und Agenten.

Er verkaufte die Zechen in Westfalen und die Eisenhütten in Belgien, er zog sein Geld von der schweren Industrie zurück, wo immer es anging und warf es auf andere Werte, die momentan mehr Aussichten hatten. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit stellte er die Grundstückspekulanten in London, Paris und Berlin, die Bodenwerte in Biskaya und Azora besaßen und infolge der Krise mit den Zahlungen in Rückstand gekommen waren. Sie mußten den tiefen Sturz machen. Eine Menge kleiner Banken ging in Splitter. S. Woolf kannte keine Gnade, er kämpfte um sein Leben. In Petersburg hatte er gegen das hübsche Trinkgeld von drei Millionen Rubel eine hundert Millionen Rubel Holzkonzession in Nordsibirien erhalten, die sich mit zwanzig Prozent rentierte. Er verwandelte das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft und zog die Hälfte des Syndikatkapitals zurück. Aber unter solch gerissenen Bedingungen, daß das Syndikat in Zukunft nahezu das gleiche Einkommen hatte. Die Manipulationen streiften das Gesetzbuch — aber für den äußersten Fall hatte er seine Trinkgelder bei der Hand. Er schuf Geld, wo immer er konnte.

Ein Mann wie S. Woolf kann sich — bei einer ununterbrochenen schärfsten Einstellung auf alle Erfahrungen, alles Wissen — nur auf seinen Instinkt verlassen. Wie ein Mathematiker in dem Wald komplizierter Formeln verloren wäre, wenn er den Gedanken Herr über sich werden ließe, daß am Anfang ein Fehler sei, so wurde ein Mann wie S. Woolf nur durch die Überzeugung aufrecht erhalten, daß alles, was er getan hatte, das einzig Richtige gewesen war. S. Woolf folgte seinem Instinkt. Er mußte siegen, er glaubte es.