„Gewiß, Herr!“
„Gut. Lerne Englisch. Kaufe dir hübsche einfache Kleider und suche dir eine Stellung als Verkäuferin. Gib hübsch acht, was ich dir sage. Ich will dir zweitausend Dollar geben, weil du so schön tanztest. Davon kannst du drei Jahre leben. Besuche einen Abendkursus. Lerne Buchführung, Stenographie und Maschinenschreiben. Das andere findet sich dann von selbst. Willst du das tun?“
„Ja, Herr!“ antwortete Juliska ängstlich, denn Woolf kam ihr unheimlich vor. Sie hatte gehört, daß in New York viele junge Mädchen ermordet würden.
„Kleide dich wieder an.“ Und S. Woolf streckte Juliska eine Hand voller Scheine hin. Aber sie wagte sie nicht zu nehmen. Sobald ich danach greife, wird er mich niederschlagen, dachte sie.
„Nimm doch!“ sagte S. Woolf lächelnd. „Ich brauche das Geld nicht mehr, denn morgen abend Punkt sechs Uhr bin ich tot.“
Juliska erschauerte.
S. Woolf lachte nervös. „Hier hast du noch zwei Dollar. Nimm das erste Auto, das du siehst und fahre nach Hause. Gib Gyula hundert Dollar und sage ihm, mehr hätte ich nicht gegeben. Sage niemand, daß du Geld hast! Die Hauptsache in der Welt ist, Geld zu haben — aber die andern dürfen nichts davon wissen! Nimm doch!“ Er stopfte ihr die Scheine in die Hand.
Juliska ging, ohne Dank zu sagen.
S. Woolf war allein und seine Züge erschlafften sofort. „Ein blödes Frauenzimmer,“ murmelte er. „Sie wird ja doch untergehen.“ Das Geld reute ihn. Er rauchte eine Zigarre, trank einen Kognak und ging in seinen Zimmern auf und ab. Er hatte sämtliche Lampen eingeschaltet, weil er nicht das geringste Halbdunkel ertrug. Vor einem japanischen Lackschränkchen blieb er stehen und öffnete es. Es war voller Locken, blonder, goldener, roter Mädchenlocken. Jede Locke trug einen Zettel wie eine Arzneiflasche. Ein Datum stand darauf. Und Woolf sah diese Flut von Haaren und lachte voller Verachtung. Denn er verachtete und verabscheute die Frauen, wie alle Männer, die sich viel mit käuflichen Frauen abgegeben haben.