„Ich bin bestellt!“ sagte der Chauffeur und Woolf lächelte verächtlich. Allan umgab ihn, Allan hatte ihn umzingelt. Aus einer Haustüre trat ein Gentleman mit einer kleinen schwarzen Mappe unter dem Arm und folgte ihm auf der andern Seite der Straße. Da sprang Woolf plötzlich auf eine Tram und glaubte damit den Detektiven Allans entkommen zu sein.

Er trank Kaffee in einem Saloon und wanderte den ganzen Vormittag in den Straßen hin und her.

New York hatte das Zwölfstundenrennen aufgenommen. New York lag im Rennen, von seinem Schrittmacher, der Tat, geführt. Autos, Cars, Geschäftswagen, Menschen, alles schwirrte. Die Hochbahnen donnerten. Die Menschen stürzten aus Häusern, Wagen, Tramcars, sie stürzten aus Löchern in der Erde hervor, aus den zweihundertundfünfzig Kilometer langen Stollen der Subway. Sie waren alle rascher als Woolf. ‚Ich bleibe zurück,‘ dachte er. Er ging schneller, aber trotzdem überholten ihn alle. Wie in Hypnose zappelten sie dahin. Manhattan, das große Herz der Stadt, saugte sie an, Manhattan schleuderte sie durch tausend Adern von sich. Sie waren Splitter, Atome, glühend durch gegenseitige Reibung, und besaßen nicht mehr Eigenbewegung als die Moleküle aller Dinge. Und die Stadt ging ihren donnernden Gang. Von fünf zu fünf Minuten passierte ihn ein grauer elektrischer Riesenomnibus, der den Broadway hinabfegte wie ein Elefant, der brennenden Zunder unter dem Schwanz hat. Das waren die Frühstücksomnibusse, in denen ein Mensch eine Tasse Kaffee und ein Sandwich hinunterschlingen konnte auf seinem Weg ins Büro. Zwischen den kleinen dahinfliegenden Menschen aber gingen große, freche Gespenster umher und schrien: Verdopple dein Einkommen! — Warum sollst du fett sein? — Wir machen dich reich, schreibe Postkarte! — Easy Walker! — Make your own terms — Stop having fits! — Drunkards saved secretly — Doppelte Kraft! —: Plakate! — Das waren die großen Dompteure, die diese zappelnde Menge beherrschten. Woolf lächelte ein sattes, befriedigtes Lächeln. Er, der die Reklame zur Kunst erhoben hatte!

Von der Battery aus sah er drei zitronengelbe Reklameaeroplane, die hintereinander über der Bai kreuzten, um die Kunden abzufangen, die auf dem Weg nach New York waren. Auf ihren gelben Flügeln stand: „Wannamaker — Restetag!“

Wer von all den Tausenden von wimmelnden Menschen um ihn her würde auf den Gedanken kommen, daß er vor zwölf Jahren „das fliegende Plakat“ gründete?

Er klebte an New York, angesaugt von der Zentripetalkraft des mahlenden Ungetüms. Den ganzen Tag. Er aß zu Mittag, trank Kaffee, nahm ein Gläschen Kognak da und dort. Sobald er stehen blieb, überkam ihn ein Schwindelgefühl und so ging er immer vorwärts. Um vier Uhr kam er in den Centralpark, halb betäubt, ohne zu denken. Er passierte die Luftschiffhallen der Chicago-Boston-New York Airship-Co. und ließ sich von den Wegen ziehen. Es begann zu regnen und der Park war ganz verlassen. Er schlief während des Gehens halb ein, aber plötzlich weckte ihn ein heftiger Schreck: er war über seinen Gang erschrocken. Er ging gebückt, schlürfend, mit eingebogenen Knien, ganz wie der alte Wolfsohn dahinschlürfte, den das Schicksal zur Demut zugeritten hatte. Und eine Stimme hatte in ihm geflüstert — so deutlich: der Sohn des Leichenwäschers!

Der Schreck weckte ihn auf. Wo war er? Centralpark. Weshalb war er hier? Weshalb war er nicht fort, ja, zum Teufel — weshalb war er nicht über alle Berge? Weshalb klebte er den ganzen Tag an New York? Wer hatte es ihm befohlen? Er sah auf die Uhr. Es war einige Minuten nach fünf Uhr. Eine Stunde also hatte er noch Zeit, denn Allan hielt Wort.

Sein Kopf begann rasch zu denken. Er hatte fünftausend Dollar in der Tasche. Damit konnte er weit kommen! Er wollte fliehen. Allan sollte ihn nicht bekommen. Er blickte sich um — niemand weit und breit! Es war ihm also gelungen, Allans Detektive abzuschütteln. Dieser Triumph belebte ihn und er begann blitzschnell zu handeln. In einem Barber-shop ließ er sich seinen Bart abnehmen und während der Barbier arbeitete, überlegte er seinen Fluchtplan. Er befand sich am Columbussquare. Er wollte mit der Subway bis zur Zweihundertsten Straße fahren, etwas gehen und dann irgendeinen Zug besteigen.

Zehn Minuten vor sechs Uhr verließ er den Barbierladen. Er kaufte noch Zigarren und sieben Minuten vor sechs Uhr stieg er zur Subway hinunter.