Schon nach wenigen Tagen zeigten sich die Schrecken dieses Kampfes. Die statistischen Ziffern der Verbrechen, der Kinder- und Säuglingssterblichkeit stiegen ins Grauenhafte. Die Nahrung für Millionen von Menschen verfaulte und verdarb in Eisenbahnwaggons und Schiffsbäuchen. Die Regierungen nahmen das Militär zu Hilfe. Aber die Truppen, aus Proletariern zusammengesetzt, leisteten passiven Widerstand, sie arbeiteten und kamen nicht von der Stelle, und das war nicht die Zeit zu strengen Repressalien. Gegen Weihnachten waren die großen Städte, Chicago, New York, London, Paris, Berlin, Hamburg, Wien, Petersburg, vollkommen ohne Licht und in Gefahr, ausgehungert zu werden. Die Menschen froren in den Wohnungen und was schwach und elend war ging zugrunde. Täglich gab es Feuersbrünste, Plünderungen, Sabotage, Diebstähle. Das Gespenst der Revolution drohte ...

Die internationale Arbeiterliga aber gab keinen Fuß breit nach und forderte Gesetze, die den Arbeiter vor der Willkür des Kapitals schützten.

Inmitten dieser Unruhen und Schrecken stand das Tunnelsyndikat immer noch aufrecht. Es war ein Wrack, durchlöchert, krachend in allen Fugen, aber es stand!

Das war Lloyds Werk. Lloyd hatte eine Versammlung der Großgläubiger einberufen und war persönlich erschienen, um zu sprechen, was er seit zwanzig Jahren wegen seines Leidens nicht mehr getan hatte. Das Syndikat durfte nicht fallen! Die Zeiten waren verzweifelt und der Fall des Syndikats würde namenloses Unheil in die Welt bringen. Der Tunnel sei zu retten, wenn man weise vorgehe! Würde man jetzt einen taktischen Fehler machen, so sei sein Schicksal entschieden, ein für allemal, und die Entwicklung der Industrie würde um zwanzig Jahre zurückgeworfen werden. Der Generalstreik könne keine drei Wochen mehr dauern, da die Arbeiterheere am Hungertod seien, das Geld käme zurück, die Krise würde im Frühjahr ein Ende haben. Es müßten Opfer gebracht werden. Die Großgläubiger müßten stunden, Geld vorschießen. Die Aktionäre und Shareinhaber aber müßten am 2. Januar ihre Zinsen bei Heller und Pfennig ausgezahlt erhalten, wollte man nicht eine zweite Panik heraufbeschwören.

Lloyd selbst brachte als erster große Opfer. So gelang es ihm, das Syndikat zu halten.

Diese Beratung war geheim. Die Zeitungen verkündeten am anderen Tag, daß die Sanierung des Syndikats in die Wege geleitet sei und die Gesellschaft am 2. Januar wie immer ihren Verpflichtungen gegen Aktionäre und Shareinhaber nachkommen würde.

Der berühmte 2. Januar kam heran.

9.