Am 1. Januar pflegen alle Theater, Konzerthallen, Restaurants in New York überfüllt zu sein.

Dieser 1. Januar aber war tot. Nur in einigen großen Hotels herrschte Leben wie gewöhnlich. Die Trambahnen verkehrten nicht. Die Hochbahnen und die Subway ließen nur vereinzelte Züge laufen, die von Ingenieuren geführt wurden. Im Hafen lagen die verödeten Ozeanriesen mit gelöschten Feuern in den Docken, eingepackt in Nebel und Eis. Die Straßen waren am Abend dunkel, nur jede dritte Lampe brannte, und die Reklametableaus, die sonst mit der Regelmäßigkeit von Leuchtfeuern aufblitzten, waren erloschen.

Schon um Mitternacht stand eine dichtgedrängte Menschenkette vor dem Syndikatgebäude, bereit die Nacht zu durchwachen. Sie alle wollten ihre fünf, zehn, zwanzig, hundert Dollar an Zinsen retten. Es ging das Gerücht, daß das Syndikat am 3. Januar die Pforten schließen werde, und niemand war geneigt, sein Geld zu riskieren. Immer mehr kamen.

Die Nacht war sehr kalt, zwölf Grad Celsius unter Null. Ein feiner Schnee siebte wie weißer Sand aus dem tiefschwarzen Himmel herab, der die oberen Stockwerke der schweigenden Turmhäuser verschlang. Frierend und zähneklappernd schoben sich die Wartenden zusammen, um sich zu wärmen, und erregten einander durch Befürchtungen, Vermutungen und Gespräche über das Syndikat, Aktien und Shares. Sie standen so eng, daß sie recht gut im Stehen schlafen hätten können, aber niemand machte ein Auge zu. Die Angst hielt sie wach. Die Türen des Syndikats könnten am Ende doch geschlossen bleiben! Dann waren ihre Shares plötzlich vollkommen wertlos! Mit blaugefrorenen fahlen Gesichtern, die Augen voll von Angst und Besorgnis, harrten sie auf ihr Schicksal.

Das Geld! Das Geld! Das Geld!

Die Arbeit ihres Lebens, Schweiß, Mühe, Demütigungen, schlaflose Nächte, graue Haare, eine vernichtete Seele! Noch mehr: ihr Alter, ein paar Jahre Ruhe bis zum Tod! Wenn sie verloren, so war alles vorbei, zwanzig Jahre ihres Lebens fortgeworfen, Nacht, Elend, Schmutz und Armut ...

Die Angst und Erregung wuchs von Minute zu Minute. Wenn sie ihre Ersparnisse einbüßten, so wollten sie Mac Allan, diesen Champion aller Schwindler, lynchen.

Gegen den Morgen kamen immer größere Scharen. Die Kette stand bis hinauf zur Warrenstreet. So kam der graue Tag heran.

Um acht Uhr ging eine plötzliche Bewegung durch die Menge: im schweigenden, von rauchender Kälte umhüllten Syndikat-Building leuchteten die ersten Lampen auf!

Um neun Uhr — mit dem Glockenschlage! — öffneten sich die schweren Kirchentüren des Gebäudes. Die Menge wälzte sich hinein in das prunkvolle Vestibül und von da aus in die gleißend hellen Kassenräume. Ein Heer von frischgewaschenen, ausgeschlafenen Beamten wimmelte hinter den kleinen Schalterfenstern. Die Einlösung der Kupons ging blitzschnell vonstatten. An allen Schaltern wurden von fliegenden Händen die Dollarnoten auf die Marmorplatte geblättert, das Kleingeld klirrte. Alles wickelte sich ruhig ab. Wer bedient war, wurde von selbst durch die nachschiebende Menge zum Ausgang hinausgepreßt.