Etwas nach zehn Uhr aber gab es eine Stockung. Drei Schalter schlossen gleichzeitig, da ihnen das Wechselgeld ausgegangen war. Das Publikum wurde unruhig und die Beamten der übrigen Schalter wurden von zehn und zwanzig Ungeduldigen gleichzeitig bestürmt. Da ließ der Kassenvorstand verkünden, daß die Schalter auf fünf Minuten geschlossen würden. Die Herrschaften möchten Kleingeld bereithalten, da sich die Auszahlung sonst zu sehr verzögere. Die Schalter schlossen.

Die Situation der Wartenden im Schalterraum war keineswegs angenehm. Denn die Menge, von den Zeitungen auf 30000 geschätzt, drängte von draußen gleichmäßig nach. Wie ein Baumstamm vom Mechanismus eines Sägewerks in die Säge geschoben wird, so gleichmäßig wurde die Menschenkette in das Syndikat-Building hineingepreßt und — in Teile aufgelöst — durch den Ausgang nach Wallstreet gedrückt. Ein Mann setzt den Fuß auf die erste Granitstufe. Nach einer Minute hebt ihn die nachdrängende Menge in die Höhe, er steht mit beiden Füßen auf der ersten Granitstufe. Nach zehn Minuten ist er oben und wird langsam durchs Vestibül gemahlen. Nach weiteren zehn Minuten wird er in den Schalterraum gedrückt. Er ist eine mechanische Figur ohne Eigenbewegung geworden, und Tausende vor ihm und hinter ihm absolvieren genau die gleichen Bewegungen in genau der gleichen Zeit.

Infolge der Stockung aber war der riesige Schaltersaal in wenigen Minuten gedrückt voll. Die Leute im Vestibül wurden zum Teil die Treppe zu den oberen Stockwerken hinaufgeschoben.

Die Wartenden an den Schaltern aber konnten die Position nicht länger halten und hatten die hübsche Aussicht, nach zehnstündigem Warten an den Schaltern vorbeigepreßt und gegen den Ausgang gedrückt zu werden. Dann konnten sie sich wieder hinten anreihen.

Sie alle hatten die Nacht schlaflos verbracht, gefroren wie Hunde, nicht gefrühstückt, sie versäumten Zeit, hatten Unannehmlichkeiten in ihren Büros und Geschäften zu erwarten — ihre Laune war die denkbar schlechteste. Sie schrien und pfiffen, und der Lärm setzte sich durchs Vestibül auf die Straße hinaus fort.

Eine ungeheure Erregung ging durch die Menge.

„Die Schalter werden geschlossen!“

„Das Geld ist ihnen ausgegangen!“

Und das Drängen wurde ungeduldiger und gewaltsamer. Kleider wurden abgerissen, und Menschen, die keine Luft bekamen, schrien und fluchten. Manche aber, die getragen wurden und bis zur Brust über die Köpfe hinausragten, heulten laute Verwünschungen.

An den Schaltern stauten sich die Massen zum Ersticken. Schreie, Flüche wurden laut. Ein Chauffeur schlug mit der Faust die Scheibe des Schalters ein und schrie, dunkelrot vor Atemnot im Gesicht: „Mein Geld, ihr Schwindler. Ich habe hier dreihundert Dollar! Gebt mir meine dreihundert Dollar, ihr hundsgemeinen Diebe und Halsabschneider!“