Allan sah sie mit ernsten, klaren Augen an. „Was tun Sie hier?“ fragte er.

Aber da fand Ethel ihre Fassung. Sie sah ein, daß ihre Sache verloren wäre, wenn sie in dieser Sekunde nicht den richtigen Ton träfe. Und sie traf ihn, instinktiv. Sie lachte so froh und herzlich wie ein Kind und sagte: „Es fehlte gerade noch, daß Sie mich auszankten, Allan! Ich habe mit Ihnen zu sprechen und da Sie niemand vorlassen, habe ich Ihnen zwei Stunden lang in diesem Wagen aufgelauert.“

Allans Blick änderte sich nicht. Aber seine Stimme klang nicht unfreundlich, als er sie bat einzutreten.

Ethel atmete auf. Der gefährliche Augenblick war vorüber. Sie fühlte sich froh und leicht und glücklich, als sie den Lift betrat.

„Ich habe Ihnen geschrieben, Allan?“ sagte sie lächelnd.

Allan sah sie nicht an. „Ja, ja, ich weiß,“ erwiderte er zerstreut und blickte zu Boden, „aber, offen gestanden, hatte ich damals —“ Und Allan murmelte etwas, was sie nicht verstand. Im gleichen Augenblick hielt auch der Lift. Lion öffnete die Tür zu Allans Wohnung. Ethel tat sehr erfreut und überrascht, Lion wiederzusehen.

„Da ist ja unser alter Lion!“ rief sie aus und streckte dem alten, dünnen Chinesen wie einem lieben Bekannten die Hand hin. „Wie geht es, Lion?“

„Thank you,“ wisperte der verblüffte Lion kaum hörbar und verbeugte sich schlürfend.

Allan bat Ethel, ihn einen Augenblick zu entschuldigen, und Lion führte sie in ein großes, wohlgeheiztes Zimmer und entfernte sich sofort wieder. Ethel knöpfte den Mantel auf und zog die Handschuhe aus. Das Zimmer machte einen nüchternen und geschmacklosen Eindruck. Offenbar hatte Allan die Möbel telephonisch bei einem Warenhaus bestellt und das Arrangement einem Tapezierer überlassen. Dazu kam, daß die Vorhänge gerade abgenommen waren und man die Fensterstöcke nackt erblickte, schwarze Rechtecke mit drei, vier kalt glitzernden Sternen darin. Nach geraumer Weile kam Lion wieder und servierte Tee und Toast. Dann trat Allan ein. Er hatte sich umgekleidet und die hohen Stiefel mit Schuhen vertauscht.

„Ich stehe zu Ihrer Verfügung, Fräulein Lloyd,“ sagte er ernst und ruhig und nahm in einem Sessel Platz. „Wie geht es Herrn Lloyd?“ Und Ethel sah an seinem Gesicht, daß er sie nicht brauchte.