„Vater geht es gut, danke,“ antwortete sie zerstreut. Sie konnte nun Allan deutlich sehen. Er war stark ergraut und sah um Jahre gealtert aus. Seine scharf gewordenen Züge waren vollkommen bewegungslos, steinern, voll verborgener Verbitterung und stummem Trotz. Seine Augen waren kalt, ohne Leben und erlaubten dem Blick nicht, in sie einzudringen.

Ethel hätte nun, wenn sie überlegt gehandelt hätte, vorerst ein belangloses Gespräch mit Allan geführt, um ihn und sich selbst mit der Situation nach und nach vertraut zu machen. Sie hatte es sich auch vorgenommen, sie wollte sogar über Strom Klage führen, aber als sie Allan so verändert, fremd und abweisend vor sich sah, ließ sie sich von ihrem Impuls fortreißen. Ihr Herz sagte ihr, daß es eine Möglichkeit geben müsse, Allan zu packen und festzuhalten.

Und augenblicklich schlug sie einen herzlichen und vertrauten Ton an, als seien sie früher die allerbesten Freunde gewesen. „Allan!“ sagte sie mit einem leuchtenden Blick ihrer blauen Augen und streckte ihm die Hand hin. „Sie können nicht wissen, wie sehr ich mich freue, Sie wiederzusehen!“ Sie hatte Mühe, ihre Erregung zu verbergen.

Allan gab ihr die Hand, die rauh und hart geworden war. Er lächelte ein wenig, aber in seinen Augen stand eine leise, gutmütige Verachtung für diese Art weiblicher Sympathie.

Ethel kümmerte sich nicht darum. Sie war nun nicht mehr einzuschüchtern.

Sie sah Allan an und schüttelte den Kopf. „Sie sehen nicht gut aus, Allan,“ fuhr sie fort. „Das Leben, das Sie gegenwärtig führen, ist nichts für Sie. Ich begreife recht wohl, daß Sie für einige Zeit Ruhe und Abgeschlossenheit nötig hatten, aber ich glaube nicht, daß es für Sie auf die Dauer gut ist. Seien Sie nicht böse, daß ich Ihnen das sage. Sie brauchen Ihre Arbeit — der Tunnel fehlt Ihnen! Nichts sonst!“

Sie traf die Wahrheit, sie traf Allan mitten ins Herz. Allan saß da und starrte Ethel an. Er erwiderte kein Wort und machte auch nicht den geringsten Versuch, sie zu unterbrechen.

Ethel hatte ihn überrumpelt und sie nützte seine Verblüfftheit nach Kräften aus. Sie sprach nun so rasch und erregt, daß es überhaupt unmöglich gewesen wäre, ihr, ohne unhöflich zu werden, ins Wort zu fallen. Sie machte ihm Vorwürfe, daß er sich selbst von seinen Freunden völlig zurückgezogen habe, daß er sich in dieser toten Stadt vergrabe; sie schilderte ihm ihr Erlebnis mit Strom, sie sprach von Lloyd, von New York, von Bekannten und kam immer wieder auf den Tunnel zurück. Wer sollte denn den Tunnel vollenden, wenn nicht er? Wem würde die Welt diese Aufgabe anvertrauen? Und ganz abgesehen von all dem, sie wolle es ihm offen heraussagen: er würde zugrunde gehen, wenn er die Arbeit nicht bald wieder aufnähme ...

Allans graue Augen waren dunkel und düster geworden, soviel Gram, Schmerz, Bitterkeit und Verlangen hatte Ethel in ihm aufgewühlt.