Allan kämpfte nochmals den schweren Kampf. Er erhielt Ethels Telegramm im Tunnel. Er las es im Lichte einer verstaubten Glühlampe. Ein Dutzend solcher Lampen sah er aus der Finsternis des Stollens glimmen, nichts sonst. Er dachte an die toten Stollen. Er sah sie! Die amerikanischen, europäischen und ozeanischen. Er sah all die tausend Maschinen, die nutzlos liefen. Er sah die entmutigten Ingenieure in den einsamen Stationen, erschöpft von der Monotonie der Beschäftigung. Viele Hunderte hatten ihn schon verlassen, weil sie die einförmige Arbeit nicht mehr ertrugen. Seine Augen brannten. Während er Ethels Depesche zusammenfaltete, begann es plötzlich in seinen Ohren zu brausen. Er hörte die Züge durch die Stollen donnern, die Tunneltrains, die triumphierend von Amerika nach Europa fegten. Sie klirrten und rauschten in seinem Gehirn und berauschten ihn mit ihrem rasenden Takt ...

Ethel empfing ihn mit scherzhaften Vorwürfen: Er müsse doch wissen, daß sie ein verzogener, launischer Fratz sei! — Von diesem Tage an stand ihr Car wieder Punkt sechs Uhr vor der Tunnelstation. Ethel änderte nunmehr ihre Taktik. Sie hatte Allan vorher mit Aufmerksamkeiten überschüttet. Das unterließ sie fortan. Dagegen verstand sie es, Allan zur Erfüllung ihrer kleinen Wünsche zu bewegen.

Sie sagte: „Die Blanche spielt morgen. Ich würde gern hingehen, Allan.“

Allan besorgte eine Loge und sah die Blanche spielen, wenn es ihn auch langweilte, ein hysterisches Frauenzimmer von Wein- in Lachkrämpfe übergehen zu sehen.

Von nun an sah New York Allan und Ethel Lloyd häufig zusammen. Ethel fuhr fast täglich den Broadway entlang in Allans Car. Und Allan steuerte selbst, wie in der Zeit, da seine Gesundheit noch nicht gelitten hatte. Im Fond saß Ethel Lloyd, in Mäntel und flotte Schleier gehüllt und blinzelte auf die Straße.

Ethel drängte Allan, sie einmal mit in den Tunnel zu nehmen. Allan erfüllte ihr auch diesen Wunsch.

Als der Zug die Trasse hinabflog, schrie Ethel vor Vergnügen auf und im Tunnel kam sie aus ihrer Verwunderung nicht heraus.

Sie hatte die ganze Tunnelliteratur studiert, aber ihre Phantasie war in technischen Dingen nicht geschult genug, als daß sie sich eine klare Vorstellung von den Stollen hätte machen können. Sie ahnte nicht, was vierhundert Kilometer in einem nahezu dunkeln Tunnel bedeuten. Das Donnern, das den Zug einhüllte und so stark war, daß man schreien mußte, um sich zu verständigen, erschreckte sie angenehm. Die Stationen rissen sie zu lauten Ausrufen der Bewunderung hin. Sie hatte keine Vorstellung gehabt, welch ungeheure Maschinen hier standen und Tag und Nacht arbeiteten. Das waren ja Maschinenhallen unter dem Meer! Und die Wetterführung, pfeifend wie ein Sturmwind, der einen fast in Stücke blies!

Nach einigen Stunden glühte ein rotes Licht wie ein Leuchtfeuer aus der Finsternis.