Der Zug hielt. Sie waren bei der Unglücksschlucht angekommen. Beim Anblick der Schlucht verstummte Ethel. Was bedeutete es für sie, wenn sie wußte, daß die Schlucht sechzig bis achtzig Meter tief war, hundert Meter breit und daß tausend Menschen Tag und Nacht Erz förderten.
Nun aber sah sie, daß sechzig bis achtzig Meter eine schauerliche Tiefe, eine zwanzig Stockwerktiefe waren. Tief unten in dem Staubnebel, der den übersehbaren Teil der Schlucht anfüllte, zwanzig Stockwerke tief unten glühten Scharen von Bogenlampen und unter ihnen wimmelte es — das waren Menschen! Plötzlich stieg eine kleine Staubwolke auf und ein Kanonenschuß rollte durch die Schlucht, in den Tunnel hinein.
„Was war das?“
„Sie haben gesprengt.“
Darauf bestiegen sie den Förderkorb und fuhren ab. Sie stürzten an den Bogenlampen vorbei und die Menschen schienen rasch senkrecht zu ihnen emporzukommen. Sie waren unten und nun konnte Ethel nicht genug staunen über die Höhe, aus der sie kamen. Die Tunnelmündung erschien wie ein schwarzes, kleines Tor. Riesenschatten, Schatten von turmhohen Dämonen bewegten sich an den Wänden hin und her ...
Ethel kam verwirrt und entzückt aus dem Tunnel zurück und erzählte Lloyd den ganzen Abend, wie es da drinnen sei und daß die Schleusen des Panama Kinderspielzeuge im Vergleich zum Tunnel seien.
Am nächsten Tag wußte ganz New York, daß Ethel mit Allan im Tunnel war. Die Zeitungen brachten spaltenlange Interviews.
Am übernächsten verkündeten sie die Verlobung Allans und Ethels. Ihr Doppelbildnis erschien.
Ende Juni fand die Hochzeit statt. Am gleichen Tage stiftete Ethel Lloyd einen Pensionsfonds von acht Millionen Dollar für die Tunnelleute. Die Hochzeit wurde mit fürstlichem Aufwand im großen Festsaal des Atlantic gefeiert, desselben Hotels, auf dessen Dachgarten vor neun Jahren das berühmte Meeting stattgefunden hatte. Drei Tage lang gab die sensationelle Heirat den Zeitungen Stoff. Sunday Mirror beschäftigte sich eingehend mit Ethels Trousseau. Zweihundert Paar Schuhe! Tausend Paar Seidenstrümpfe! Ethels Wäsche war bis ins Detail beschrieben. Und wenn Allan in diesen Tagen die Zeitungen gelesen hätte, so hätte er erfahren, welch ungeheures Glück der ehemalige Pferdejunge von Uncle Tom hatte, eine Ethel Lloyd heimzuführen, deren Strumpfhalter mit Brillanten besetzt waren.
Seit Jahren hatte New York keine so glänzende Gesellschaft vereinigt gesehen wie die Hochzeitsgesellschaft. Der menschenscheue, alte Lloyd aber fehlte. Er war mit seinem Arzt auf dem „Goldkarpfen“ abgedampft.