Diese Geschichte aber war keineswegs alltäglich: Von seinem zehnten bis dreizehnten Jahr gehörte Allan zur Armee der unbekannten Millionen, die ihr Leben unter der Erde verbringen und an die niemand denkt.

Er war in den westlichen Kohlenbezirken geboren, und der erste Eindruck, der in seinem Gedächtnis haften geblieben war, war Feuer. Dieses Feuer stand nachts an verschiedenen Stellen am Himmel, wie feurige Köpfe auf dicken Leibern, die ihn schrecken wollten. Es kam aus Öfen gegenüber heraus in der Gestalt glühender Gebirge, auf die glühende Männer von allen Seiten Wasserstrahlen richteten, bis alles in einer großen weißen Dampfwolke verschwand.

Die Luft war voll von Rauch und Qualm, dem Geschrei von Fabrikpfeifen, es regnete Ruß, und zuweilen brannte nachts der ganze Himmel lichterloh.

Die Menschen erschienen immer in Haufen in den Straßen geschwärzter Backsteinhäuser, sie kamen in Haufen, sie gingen in Haufen, sie waren immer schwarz und selbst am Sonntag hatten sie Kohle in den Augen. In allen ihren Gesprächen kehrte stets das eine Wort wieder: Uncle Tom.

Vater und Fred, der Bruder, arbeiteten in Uncle Tom, wie alle Welt ringsum. Die Straße, in der Mac aufwuchs, war fast immer mit glänzendschwarzem Morast bedeckt. Danebenher floß ein seichter Bach. Die wenigen Gräser, die an seinen Ufern wuchsen, waren nicht grün, sondern schwarz. Der Bach selbst war schmutzig und meist schwammen buntschillernde Ölflecken darauf. Hinter dem Bach standen schon die langen Reihen der Koksöfen, und hinter ihnen erhoben sich schwarze Eisen- und Holzgerüste, auf denen unaufhörlich kleine Karren liefen. Am stärksten aber fesselte den kleinen Mac ein großes, richtiges Rad, das in der Luft hing. Dieses Rad stand zuweilen auf Augenblicke still, dann begann es wieder zu „schnurren“, es wirbelte so rasch, daß man die Speichen nicht mehr sah. Plötzlich aber sah man die Speichen wieder, das Rad in der Luft drehte sich langsamer, das Rad stand still! Und darauf begann es wieder zu „schnurren“.

In seinem fünften Lebensjahre wurde Mac von Fred und den übrigen Pferdejungen in das Geheimnis eingeweiht, wie man ohne jegliches Anlagekapital Geld machen könne. Man konnte Blumen verkaufen, Wagenschläge öffnen, umgefallene Stöcke aufheben, Autos herbeiholen, Zeitungen aus den Trams sammeln und wieder in den Handel bringen. Voller Eifer nahm Mac seine Arbeit in der „City“ auf. Jeden einzelnen Cent lieferte er an Fred ab und dafür durfte er die Sonntage mit den Pferdejungen in den „saloons“ verbringen. Mac kam nun in das Alter, wo ein witziger Junge den ganzen Tag fährt, ohne einen Cent zu bezahlen. Wie ein Parasit lebte er auf allem, was rollte und ihn vorwärtsbrachte. Später vergrößerte Mac sein Geschäft und arbeitete auf eigene Rechnung. Er sammelte leere Bierflaschen in den Neubauten und verkaufte sie, indem er sagte: „Vater schickt mich.“

Aber er wurde abgefaßt, jämmerlich verprügelt und damit war das blühende Geschäft zu Ende.

In seinem achten Lebensjahr bekam Mac von seinem Vater eine graue Kappe und große Stiefel, die Fred getragen hatte. Diese Stiefel waren so weit, daß Mac sie mit einem einzigen Schlenkern des Fußes in die nächste Stubenecke befördern konnte.

Der Vater nahm ihn an der Hand und führte ihn nach Uncle Tom. Dieser Tag machte auf Mac einen unauslöschlichen Eindruck. Noch heute erinnerte er sich deutlich, wie er, erschreckt und aufgeregt, an der Hand des Vaters durch den lärmenden Zechenhof schritt. Uncle Tom war mitten im Betrieb. Die Luft bebte von Geschrei, Pfeifen, Kärrchen sausten durch die Luft, Eisenbahnwaggons rollten, alles bewegte sich. Hoch oben aber schwirrte die Förderscheibe, die Mac schon jahrelang aus der Ferne gesehen hatte. Hinter den Koksöfen stiegen Feuersbrünste und weiße Rauchwolken empor, Ruß und Kohlenstaub sank vom Himmel herab, es surrte und zischte in mannsdicken Röhren, aus den Kühlanlagen stürzten Wasserfälle, und aus dem dicken, hohen Fabrikschlot quoll unaufhörlich pechschwarzer Qualm in den Himmel empor.