Plötzlich tutete es ganz nahe: ein riesiger Schnelldampfer schob sich in der Sonne durch das schmutziggrüne Wasser des Hudson; die Kapelle spielte an Bord, alle Verdecke waren mit Menschenköpfen punktiert und im Hinterschiff stand die schwarze Masse der Zwischendecker.
„Winke, Edith, winke dem Dampfer!“
Und Edith sah auf, schwang den kleinen Blecheimer und schrie — genau wie die Pfeife der Tugs.
Wenn sie aufbrachen, so wollte Edith stets zum Vater gehen. Aber Maud erklärte ihr, daß sie Vater nicht stören dürften.
Maud nahm wieder eifrig ihr Klavierspiel auf. Sie übte fleißig und nahm wieder Unterricht. Wieviel sie verlernt hatte! Ein paar Wochen lang besuchte sie alle großen Konzerte; sie spielte selbst an zwei Abenden im Monat im Heim der Verkäuferinnen und Blusenarbeiterinnen. Aber das Entzücken, das ihr mit der Musik ins Blut strömte, mischte sich mehr und mehr mit einer quälenden, dumpfen Sehnsucht, so daß sie nach einiger Zeit immer seltener musizierte und es schließlich ganz aufgab. Sie besuchte Vorträge über Kindererziehung, Hygiene, Ethik und Tierschutz. Ihr Name erschien sogar unter den Komiteedamen von Vereinigungen für Invalidenfürsorge und Waisenerziehung — jene modernen Ambulanzen, wo die Wunden verbunden werden, die die unbarmherzige Schlacht der Arbeit schlägt.
Aber es blieb eine Leere in ihr zurück, eine Leere, in der es brodelte von Groll und Verlangen.
Gegen Abend klingelte sie Mac regelmäßig an, und sie fühlte sich schon ruhiger, wenn sie seine Stimme hörte.
„Wirst du heute abend zu Tisch kommen, Mac?“ fragte sie und lauschte schon gespannt auf seine Antwort, während sie noch sprach.
„Heute? Nein, heute ist es unmöglich. Aber morgen komme ich, ich richte es ein. Wie geht es Edith?“