Allan stimmte Hobby bei. Was er aber in erster Linie an Hobbys Saal bewunderte, war nicht die dekorative Pracht, sondern die kühne Konstruktion des freischwebenden Logenringes.

Hobby blinzelte geschmeichelt. „Das war keineswegs einfach,“ sagte er. „Es machte mir viel Kopfzerbrechen. Während der Ring genietet wurde, schwankte die ganze Geschichte bei jedem Schritt. So ...“ Hobby wippte sich auf den Fußspitzen. „Die Arbeiter bekamen es mit der Angst —“

„Hobby!“ rief Maud übertrieben ängstlich aus und trat von der Brüstung zurück. „Du erschreckst mich.“

Hobby berührte lächelnd ihre Hand: „Keine Angst, Maud. Ich sagte den Burschen: wartet nur, bis der Ring ganz geschlossen ist — keine Macht der Welt, höchstens Dynamit ist noch imstande ... hallo!“ rief er plötzlich ins Parkett hinab. Ein Bekannter hatte ihn durch das zusammengerollte Programm wie durch ein Sprachrohr angerufen. Und Hobby führte eine Unterhaltung, die man durch den ganzen Saal hätte verstehen müssen, wenn nicht gleichzeitig überall Gespräche in dem gleichen ungeniert lauten Ton geführt worden wären.

Allenthalben hatte man Hobbys auffallenden Kopf erkannt. Hobby hatte die hellsten Haare im ganzen Saal, silberblonde, glänzende Haare, die peinlich gescheitelt und glattgestrichen waren, und ein leichtsinniges schmales Spitzbubengesicht von ausgesprochen englischem Typus, mit einer etwas aufwärts gebogenen Nase und nahezu weißen Wimpern. Im Gegensatz zu Allan war er schmal und zart, mädchenhaft gebaut. Augenblicklich richteten sich von allen Seiten die Gläser auf ihn, und aus allen Richtungen klang sein Name. Hobby gehörte zu den populärsten Erscheinungen New Yorks und zu den beliebtesten Männern der Gesellschaft. Seine Extravaganzen und sein Talent hatten ihn rasch berühmt gemacht. Es verging kaum eine Woche, ohne daß die Zeitungen eine Anekdote über ihn brachten.

Hobby war mit vier Jahren ein Genie in Blumen, mit sechs ein Genie in Pferden (er konnte in fünf Minuten ganze Heere rasender Pferde aufs Papier werfen) und nun war er ein Genie in Eisen und Beton und baute Wolkenkratzer. Hobby hatte seine Affären mit Frauen gehabt und mit zweiundzwanzig Jahren ein Vermögen von hundertundzwanzigtausend Dollar in Monte Carlo verspielt. Jahraus, jahrein stak er bis über seinen weißblonden Scheitel in Schulden — trotz seinem enormen Einkommen — ohne sich eine Sekunde darüber zu bekümmern.

Hobby war am hellichten Tag auf einem Elefanten durch den Broadway geritten. Hobby war jener Mann, der vor einem Jahre „vier Tage Millionär spielte“, in einem Luxuszug nach dem Yellowstonepark fuhr, um als Viehtreiber heimzufahren. Er hielt den Rekord im Dauer-Bridge, achtundvierzig Stunden. Jeder Trambahnführer kannte Hobby und stand mit ihm nahezu auf Du und Du. Unzählige Witze Hobbys wurden kolportiert, denn Hobby war Spaßvogel und Exzentrik von Natur. Ganz Amerika hatte über einen Scherz gelacht, den er anläßlich der Flugkonkurrenz New York — San Franzisko in Szene setzte. Hobby hatte den Flug als Passagier des bekannten Millionärs und Sportmanns Vanderstyfft mitgemacht und über alle Menschenansammlungen, die sie in einer Höhe von achthundert oder tausend Meter passierten, Zettel ausgestreut, auf denen stand: „Komm herauf, wir haben dir was zu sagen!“ Dieser Scherz hatte Hobby selbst derart entzückt, daß er ihn während der ganzen Reise, zwei Tage lang, unermüdlich wiederholte. Vor wenigen Tagen erst hatte er New York wiederum durch ein ungeheures, ebenso geniales wie naheliegendes Projekt verblüfft: New York — das Venedig Amerikas! Er, Hobby, schlug nämlich vor (da der Boden im Geschäftsviertel einfach nicht mehr zu bezahlen war), in den Hudson, East River und die New York-Bai riesige Wolkenkratzer, ganze Straßen auf Betonquader zu stellen, die mit Klappbrücken verbunden waren, so daß die großen Ozeanfahrer bequem passieren konnten. Der „Herald“ hatte Hobbys faszinierende Zeichnungen veröffentlicht und New York war von dem Projekt berauscht.

Hobby ernährte allein ein Schock Journalisten. Er war Tag und Nacht bei der Arbeit, für sich zu „tuten“; er konnte nicht existieren ohne die ununterbrochene Bestätigung seines Daseins in der Öffentlichkeit.

So war Hobby. Und nebenbei war er der begabteste und gesuchteste Architekt New Yorks.

Hobby brach sein Gespräch mit dem Parkett ab und wandte sich wieder den Freunden zu.