Einmal kam auch eine Dame zu ihr heraus.
„Mein Name ist Ethel Lloyd!“ sagte diese Dame und hob den Schleier in die Höhe.
Ja, es war Ethel, in der Tat! Sie errötete, denn sie hatte keinen eigentlichen Anlaß, Maud einen Besuch zu machen. Und Maud errötete ebenfalls — weil Ethel errötete, und weil ihr der Gedanke durch den Kopf schoß, daß Ethel sehr unverfroren sei, und weil sie dachte, Ethel müsse diesen Gedanken in ihren Augen lesen.
Ethel faßte sich aber sofort. „Ich habe soviel von den Schulen gelesen, die Sie ins Leben riefen, Frau Allan,“ begann sie, gewandt und fließend sprechend, „daß ich zuletzt den Wunsch hatte, Ihre Einrichtungen kennen zu lernen. Ich stehe ja persönlich ähnlichen Bestrebungen in New York nahe, wie Sie wissen werden.“
Ethel Lloyd trug einen angeborenen Stolz und eine natürliche Würde zur Schau, die nicht unangenehm wirkte, eine natürliche Offenheit und Herzlichkeit, die entzückte. Sie hatte das Kindliche, das Allan seinerzeit vor Jahren aufgefallen war, verloren und war eine vollkommene Dame geworden. Ihre früher etwas süßliche und zarte Schönheit war reifer geworden. Hatte sie vor Jahren den Eindruck eines Pastellgemäldes erweckt, so erschien jetzt alles an ihr klar und leuchtend, ihre Augen, ihr Mund, ihr Haar. Sie sah stets aus, als käme sie gerade aus ihrem Toilettezimmer. Die Flechte an ihrem Kinn hatte sich unmerklich vergrößert und war um eine Nuance dunkler geworden, aber Ethel suchte sie nicht mehr durch Puder zu verdecken.
Maud mußte aus Höflichkeit persönlich die Führung übernehmen. Sie zeigte Ethel das Hospital, die Schulen, den Kindergarten und die bescheidenen Klubräume des Frauenklubs. Ethel fand alles ausgezeichnet, ohne aber nach Art junger Damen übertriebenes Lob zu spenden. Und schließlich fragte Ethel, ob sie sich irgendwie nützlich machen könne? Nein? Es war Ethel auch so recht. Zu Hause plauderte sie so reizend mit Edith, daß das Kind augenblicklich Zuneigung zu ihr faßte. Nun überwand Maud ihre unerklärliche und durch nichts begründete Abneigung gegen Ethel und bat sie, zum Diner zu bleiben. Ethel telephonierte an ihren „Pa“ und blieb.
Mac brachte Hobby mit zu Tisch. Hobbys Anwesenheit gab Ethel eine große Sicherheit, die sie nie und nimmer gefunden haben würde, wenn nur der stille und schweigsame Mac dagewesen wäre. Sie führte die Unterhaltung. Hatte sie am Nachmittag Mauds Institute sachlich gelobt — nicht nach Art junger Damen übertrieben —, so lobte sie sie jetzt überschwenglich. Mauds Argwohn wurde wieder wach. ‚Sie hat es auf Mac abgesehen,‘ sagte sie sich. Aber zu ihrer größten Befriedigung schenkte ihr Mac kaum mehr als höfliches Interesse. Er betrachtete die schöne und verwöhnte Ethel mit denselben gleichgültigen Augen wie er etwa eine Stenotypistin betrachtete.
„Die Bibliothek im Frauenklub scheint mir noch etwas dürftig zu sein,“ sagte Ethel.
„Sie soll im Laufe der Zeit ergänzt werden.“