In der Tat, die Räume waren herrlich. Besonders das Bad entzückte Jenny. In alle Räume hatte Wenzel große Blütensträuße stellen lassen. Jenny sagte kein Wort, sie errötete tief. Das war ihr Dank.

Als Katschinsky aus Hamburg zurückkam und erfuhr, daß Jenny ins Eden gezogen war, wurde er blaß wie ein Toter. Das luxuriöse Logis schien ihm mehr zu verraten als alles andere. Augenblicklich machte er sich auf, Jenny zu besuchen. Oh, sie war sehr vornehm geworden. Man mußte sich bei ihr anmelden lassen, bevor man empfangen wurde.

Als Katschinsky die Tür des kleinen Salons öffnete und Jenny erblickte, erschrak er, so schön war sie. Nie hatte er sie so schön gesehen. Sie trug ein Kleid, das er nicht kannte. Ihre Haltung war sicher und ruhig, voll natürlichen Stolzes. Sie ging wie ein Reh.

Sie stand am Fenster und wandte ihm ganz langsam den sanft schimmernden Blick zu, mit einem leichten, etwas verlegenen Lächeln in den Mundwinkeln, als ob sie sagen wollte: Ah, da bist du ja wieder, du hättest noch länger wegbleiben sollen. Nein, nie war sie so schön gewesen. Er hatte alle Linien ihres Gesichtes und ihres Körpers in diesen beiden Wochen in Hamburg mit sich herumgetragen, den Glanz ihrer Augen und den unbegreiflichen Reiz ihres sanften Gesichtes. Und doch war sie viel, viel schöner, als er sie in seinen Gedanken gesehen hatte.

Aber als Jenny Katschinsky durch die Tür kommen sah, war ihr erster Gedanke der gewesen, daß sein Gesicht zu zart, zu unmännlich, zu weichlich, ja weibisch war.

Katschinsky nahm Platz, schlug die Beine übereinander und stützte das Kinn in die Hand.

Er kann keine Bewegung machen, ohne zu posieren, dachte Jenny. Früher hatte sie häufig gesagt: sein wunderbar gebauter und trainierter Körper zeigt immer schöne Linien, er kann gar keine häßliche Bewegung machen.

„Wie war es in Hamburg?“ fragte Jenny.

Welche Gleichgültigkeit lag in ihrer Stimme. Er kam von der Beerdigung seiner Mutter, und sie fragte: Wie war es in Hamburg? Offenbar hatte sie vollkommen vergessen, daß seine Mutter gestorben war.

Jenny errötete nun. Die Taktlosigkeit ihrer albernen Frage kam ihr zum Bewußtsein.