„Nun, wenigstens eine halbe Stunde, er kann ja ruhig etwas warten. Mache mir die Freude, Jenny.“ Er haschte nach ihrer Hand und versuchte sie zu berühren. Er wußte wohl, welche Macht er früher über sie besessen hatte. Sobald er sie nur berührte, verlor sie alle Kraft und war ohne jeden Widerstand. Aber Jenny wich ihm aus und wiederholte nur, daß sie zu arbeiten habe, daß sie aber gern mit ihm ein halbes Stündchen beim Tee plaudern wolle.
Sie klingelte, und sofort erschien der Kellner. „Wenn Herr Doktor Brinkmann kommt, so sagen Sie ihm, daß ich ihn erwarte.“
Sie will mir beweisen, daß ich ihr gleichgültig geworden bin, dachte Katschinsky.
Als Jenny den Tee eingoß, wobei sie ihren schlanken Körper leicht zurückneigte, während sie mit einem Finger den Deckel der Teekanne festhielt, wurde Katschinsky von einer Art Raserei ergriffen. Seine Vorsätze, sich zu beherrschen, waren wie weggeblasen. Er erhob sich bleich. Sein Atem ging hörbar vor Erregung.
Jenny, die Teekanne in der Hand, schlug das Auge groß und abwehrend zu ihm auf. Aber dieser Blick, der ihn zurückdrängte, verstärkte nur noch seine Erregung. Er nahm eine Zigarette vom Tisch, preßte sie zwischen den zuckenden Fingern und fragte, während er versuchte, die Zigarette anzuzünden: „Wie weit bist du mit ihm, Jenny? Ich wäre dir dankbar, wenn du aufrichtiger wärest. Bist du schon die Seine geworden?“ Seine Brauen flogen auf und ab.
Jenny wich zurück. „Was für ein Ton ist das?“ fragte sie leise und erbleichte. Nie war sie schöner, als wenn sie bleich wurde.
Katschinsky geriet noch mehr in Erregung. „Ich habe nie gedacht, daß du so feige bist, Jenny!“ rief er.
„Ich gebe keine Antwort auf eine solche Frage,“ erwiderte Jenny, und ihr Auge glühte auf.
„Du weißt so gut wie ich, daß er ein Halsabschneider ist!“ schrie Katschinsky rasend.
Jenny streckte zur Abwehr die Hände aus. „Pfui, pfui! Ich will es nicht!“ rief sie und stampfte zornig mit dem Fuße auf.