„Jedermann weiß es, also weißt du es auch.“ Katschinsky brachte erregt einige Fälle vor, die man sich von Wenzel Schellenberg erzählte.

Sie ließ ihn nicht aussprechen. „Gehe, gehe,“ sagte sie. „Du bist ungerecht, ich will dich nicht hören, wenn du so sprichst.“

Katschinsky lenkte ein. „Du brauchst mir nur meine Frage zu beantworten, und ich gehe – für immer,“ sagte er, und sein Blick grub verzweifelt in ihren Zügen. Seine grauen Augen glänzten böse, sie funkelten vor Haß. Ja, er haßte sie, Jenny, ebensosehr wie er sie liebte. Aber mehr als sie, tödlich haßte er jenen Abenteurer, der diese Frau mit seinem Gelde gekauft hatte, er haßte ihn um so mehr, je weniger er die Möglichkeit hatte, ihm irgendwie beizukommen. Aber er würde sich rächen, eines Tages, oh, keine Angst, die Stunde der Rache würde kommen. Tag und Nacht würde es für ihn, Katschinsky, keinen anderen Gedanken mehr geben.

In diesem Augenblick klopfte es, und Doktor Brinkmann, der Regisseur, trat ein.

Katschinsky stand bleich, mit zitternden Lippen. Eine Sekunde lang hatte er geglaubt, Schellenberg werde kommen.

Jenny aber fand augenblicklich die Sicherheit zurück. Sie begrüßte Dr. Brinkmann und machte die Herren bekannt. Während sie den Tee servierte, plauderte und klingelte ihre Stimme heiter durch den Salon.

„Herr Katschinsky hat es schon beim Film versucht, aber er fand nicht die richtige Anerkennung. Ich glaube aber, daß er sehr große Begabung hat. Sie sollten ihn sich einmal näher ansehen, Herr Doktor Brinkmann.“

Dr. Brinkmann blinzelte mit den Augen und betrachtete Katschinsky aufmerksam, wie ein Händler, der ein Pferd betrachtet. „Oh, vorzüglich,“ sagte er, „das Äußere ganz vorzüglich,“ und er traf mit Katschinsky eine Verabredung.

Welche Torheit habe ich begangen, dachte Jenny. Aber nur um rasch ein Gesprächsthema zu finden, war sie auf diesen Gedanken verfallen. Katschinsky küßte ihr artig die Hand, lächelte, verbeugte sich und ging.

10