Ein Gesicht an der Türe schreckte ihn auf, ein Gesicht, das ein Axthieb gespalten hatte, mit einem großen und einem kleinen Auge, das große gespenstisch, geisterhaft, das kleine tierisch und frech. Eine grelle Stimme keifte und zeterte: daß sie zu arm sei, fremde Leute zu unterhalten und daß sie beabsichtigt habe, Christine heute vor die Tür zu setzen. Dies und ähnliches keifte die Stimme, noch heute hatte Georg ihren entsetzlichen Klang im Ohr.
Nun aber, nun ereignete sich das Überraschendste, etwas gänzlich Unerwartetes – und gerade diese Überraschung, es gibt kein Wort dafür, gab Georg augenblicklich, auch das ist merkwürdig, die Klarheit der Sinne zurück. Von diesem Augenblick erinnerte er sich wieder an jede Einzelheit.
Christine lächelte plötzlich – oder besser gesagt – sie machte den Versuch, zu lächeln. Ein krankes Lächeln breitete sich langsam über ihr Gesicht aus. Dann wandte sie sich mit einer ganz langsamen, unsagbar zärtlichen Bewegung zu dem Kopfkissen des armseligen Bettes, schlug die Decke zurück: und Georg erblickte plötzlich den Kopf eines kleinen Kindes. Mit einer zärtlichen Bewegung nahm Christine mit beiden Händen das in einen Lappen gewickelte Kind und streckte es ihm entgegen.
„Hier ist es,“ flüsterte sie.
„Was ist das?“ stammelte Georg.
„Es ist dein Kind,“ flüsterte Christine, und wieder versuchte sie zu lächeln.
„Mein Kind?“ schrie Georg. „Wie ist das möglich? Wie soll ich das alles verstehen?“ Und er stürzte sich auf das Kind, nahm es aus Christines Händen und drückte es gegen die Brust.
Das Gesicht an der Türe lachte schallend.
Von diesem Augenblick an war Georg wieder völlig Herr seiner Sinne. Er beschwor Christine, mit ihm zu kommen. Sie begann zu zittern. Ihr Blick irrte voller Angst zur Türe.
„Nimm mich fort von hier!“ flüsterte sie, leise, voller Furcht, die Alte könne es hören. Da wandte sich Georg gegen die Türe und trat auf die Alte mit dem gespaltenen Gesicht zu.