„Ich schlage ein!“
„Nun, dann wollen wir ein Gläschen zum Abschied trinken, Weidenbach, mein lieber Kamerad,“ sagte Lehmann. Er nahm eine Flasche aus dem Schrank und goß die Gläser voll. „Sie waren von Anfang an dabei, und Sie haben beobachtet, wie es sich abspielt. Es gehört viel Takt dazu, Menschenkenntnis, hier Nachsicht und dort Strenge. Sie wissen, es kommen Menschen, verbrauchte Menschen, zu uns, die sich auf dem Pflaster krank gelaufen haben, und ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe besteht darin, ihnen wieder Lebensmut einzuflößen. Deshalb müssen Sie da und dort nachsichtig sein. Ein gutes Wort tut einem verprügelten Hund wohl, und da und dort Strenge, und da und dort unerbittlich: hinaus mit dir. Beobachten Sie, und wenn es nicht geht: hinaus.
Tausende, Weidenbach, Tausende von jungen Leuten wie Sie und ich arbeiten in der Gesellschaft Neu-Deutschland, arm wie die Kirchenmäuse, aber freudig am Werk. Die Ärzte, die Zahnärzte, die Ingenieure, die Baumeister, Chemiker, Landwirte, Architekten, wir alle arbeiten für einen Hundelohn, aber wir arbeiten für eine Sache. Sie kennen ja die Parole der Gesellschaft: ‚Tod dem Hunger!‘ Sie wissen ja, diese Parole hat Michael Schellenberg erfunden. Was er will, ist Ihnen klar, aber der Hauptzweck, den er verfolgt, ist der, eine neue Volksgemeinschaft zu schaffen. Warten Sie ein Jahr, warten Sie zwei Jahre, die Gesellschaft rollt wie eine Lawine über ganz Deutschland. Bald wird dieses arme und mutlose Land wieder zu brausen beginnen.
Und hören Sie, Weidenbach, Sie werden die Siedlung ausbauen, und Sie werden sich aus den Leuten, die Sie haben, die besten auswählen, sie sollen den Kern der Siedlung bilden. Menschen wie Moritz und die Mutter Karsten und der Schlosser eignen sich prachtvoll dazu. Sie werden mit großer Umsicht vorgehen müssen, um den Stamm zu schaffen. Man wird Ihnen ja dann von der Zentrale erprobte Kräfte zuweisen. Und nun, gute Nacht, Weidenbach. Morgen ist wieder ein heißer Tag. Morgen mittag werde ich euch allen Lebewohl sagen.“
In der Mittagspause des folgenden Tages stellte Lehmann Georg als den neuen Chef der Station vor. Dann hielt er eine kurze Ansprache, brachte ein Hurra aus auf das Gedeihen der Gesellschaft und schwang den Hut.
Die Männer brüllten und schüttelten ihm die Hand, und nun ging er.
„Da also geht er, er war ein netter Bursche!“
19
„Was sagst du dazu, Christine?“ sagte Georg. „Ich bin Chef der Station geworden.“
Christine hob den fieberischen Blick und lächelte leise. „Ich freue mich für dich,“ sagte sie. Sie saß vor der Küche in der Sonne und schnitt Kartoffeln in Scheiben, die sie in einen Topf voll Wasser fallen ließ. Ihr zu Füßen saß der kleine Georg, in eine alte Decke eingehüllt. Frisch und reizend blickte sein kleiner zarter Kopf aus der derben Decke.