In der Mittagspause oder am Abend nahm Georg häufig das Kind auf den Arm und trug es durch das Lager, oder auch Moritz nahm das Kind oder irgendein andrer.
„Ah, da ist ja der kleine Georg!“ riefen die Männer und nahmen mit zartem Griff der rauhen Arbeitshände das kleine Händchen des Kindes. „Da bist du ja, und wie er wächst und gedeiht.“
Das Kind gehörte dem ganzen Lager. Es war ihr gemeinschaftliches Kind.
Christine schwieg noch immer. Sie war noch so blaß wie an dem Tage, da Georg sie ins Lager gebracht hatte. Aber dieser bläuliche Glanz in den eingesunkenen Wangen und an den Schläfen war verschwunden. Und das kalkige Weiß der Ohren, das Georg so sehr erschreckt hatte, denn er befürchtete, daß Christine schwindsüchtig geworden sei, war einem zarten Elfenbeingelb gewichen. Oder sollte er sich täuschen? Aber auch Mutter Karsten war seiner Meinung.
„Sie sieht besser aus,“ sagte die Alte. „Und sie hustet nicht mehr so fürchterlich in der Nacht.“
Am Tage hustete Christine selten. Auch die hektischen Flecken, die er dann und wann in ihrem Gesicht beobachtet hatte, zeigten sich immer seltener.
„Hast du Fieber?“ fragte er sie und nahm ihre Hand in seine Hände. „Frierst du? Soll ich dir eine Decke umlegen?“
Christine schüttelte den Kopf und sah ihn mit einem dankbaren Blick an.
Wie glücklich war er, daß dieser starre und abwesende Glanz ihrer Augen verschwunden war. Immer hatte sie ihn angesehen, als wäre sie nicht bei ihm, als sei sie in einer fernen unbekannten und fürchterlichen Welt. Nun schien es, als ob ihr alter Blick langsam in die Augen zurückkehre.
Täglich machte Christines Genesung Fortschritte. Sie fing an, sich für die Arbeit ringsum, die sie sonst kaum beachtet hatte, zu interessieren.