„Was macht ihr hier?“ fragte sie eines Tages ganz unvermittelt.
„Wir bauen eine Stadt mit großen Werkstätten und Fabriken,“ erwiderte Georg, froh erregt über ihr Interesse. „Ganz allmählich wird die Stadt entstehen. Sie soll später fünftausend Menschen beherbergen. Und auch dort hinten, siehst du, wo die kleinen Pünktchen hin- und hereilen, auch dort wird eine Stadt für fünftausend Menschen errichtet.“
Christine begann zuweilen hin- und herzugehen, zerstreut und geistesabwesend; dann stand sie still und blickte in die Sonne empor. An den Sonntagen machten sie häufig mit Georg einen kleinen Spaziergang in den Wald hinein, der stehen geblieben war. Aber Christine wagte sich nicht weit von der Straße.
„Nein,“ sagte sie, „kehren wir zurück.“
Eines Tages beobachtete sie Georg, ohne daß sie ihn bemerkte, wie sie mit dem Kinde spielte. Sie kniete auf der Erde und ließ das Kind, dessen kleinen Körper sie mit den Händen zärtlich hielt, auf der Erde tanzen und flüsterte ihm leise und zärtliche Worte zu. Sie lächelte dazu, und plötzlich erkannte Georg in ihrem Gesicht Christines frühere Züge wieder. Nun wußte er, daß sie gerettet war.
Weshalb schwieg sie? Weshalb sprach sie nicht?
Er deutete über die weite Fläche, die sich bis zu dem Gewimmel von Glücksbrücke dehnte. Sie war nun smaragdgrün geworden, und weich und zärtlich lag die Sonne darauf.
„Sieh, wie herrlich grün es ist!“ rief Georg aus. „Vor einem halben Jahre war hier nichts als Sand und Gebüsch.“
Weshalb aber sprach sie nicht, weshalb schwieg sie? Sie fühlte Georgs Blick auf sich gerichtet. Sie fühlte immer die gleiche Frage in seinem Blick.
Eines Tages sagte sie mit einem leisen Aufseufzen zu ihm: „Bald werde ich dir alles sagen,“ und leiser fügte sie hinzu: „und dann werde ich wohl gehen müssen.“