„Ich bin glücklich,“ sagte sie und schmiegte sich an Wenzel.
„Es ist schön,“ entgegnete Wenzel. In ihrer Nähe, in der Stille des Meeres fand er wieder jene Schlichtheit des großen Knaben, die sie an ihm so sehr liebte – wie damals in Hellbronnen. „Die reichen Leute sind alle Heuchler!“ fuhr Wenzel fort. „Sie sagen nicht: Geld gibt Freude, Gesundheit, Genuß. O nein, sie sagen: Das Schönste auf der Erde ist Arbeit, Pflichterfüllung. Nun, ich lüge nicht! Ich liebe dieses Leben! Und all das ist gekommen, weil ein alter Mann glaubte, mich als Automat behandeln zu dürfen, weil er mich bezahlte. Weil ein alter Mann mich rügte, als ich zehn Minuten zu spät kam. Das ist meine Rache!“
Gegen Morgen hörte Jenny das Schiff knarren und das Wasser gegen die Schiffswände klatschen. Die „Kleopatra“ war wieder unterwegs.
Das Wetter war fast immer schön. Nur einmal kamen sie in ein furchtbares Gewitter, das Jenny ihr ganzes Leben lang nicht vergessen würde. Eine mächtige, schiefergraue Wetterwand stand senkrecht über dem Meer, zerrissen von einem rasend zuckenden Netz von Feuer. Der Donner dröhnte wie eine ferne Schlacht. In diese graue, von Blitzen zerfetzte Wetterwand glitt die „Kleopatra“ langsam hinein, einem kleinen Fischereihafen entgegen. Auf dem Lande brannte ein Gehöft, das der Blitz entzündet hatte.
Wenzel saß auf der Reling und starrte aufmerksam und gespannt in das Netz der Blitze. Sein Kopf war vorgebeugt, seine Augen glänzten, und sein Mund war halb geöffnet, alles an ihm war Spannung und geballte Kraft. Es sah aus, als bereite er sich stumm auf den Kampf mit dem Gegner vor.
Jenny war in Schweiß gebadet. Sie zitterte vor Hitze, Erregung und Angst.
„Weshalb fahren wir in das Gewitter hinein?“ fragte sie. „Ich ängstige mich.“
Wenzel lachte. „Es hat noch nie ein Blitz in ein Schiff eingeschlagen oder nur selten. Sonst würde auch ich Angst haben und umkehren.“
„Weshalb schlägt der Blitz nicht in ein Schiff ein?“
„Frage die Gelehrten. Sie werden dir ein Märchen erzählen.“