„Das wird kaum eintreten, aber nehmen wir es an. Dann würde ich einen Teil des Bodens zur Anpflanzung von Hanf, Flachs und Ölfrüchten verwenden.“
„Gut, gut, gestatten Sie weiter. Sie wollen, wenn ich Sie recht verstand, gegen drei Millionen Pferde in Deutschland durch Motorkraft ersetzen. Ist das Ihr Programm? Und wenn das Ihre Absicht ist, werden Sie das Geld haben, um die großen Mengen von Benzin zu importieren, die für den Betrieb der Maschinen notwendig sind?“
„Gewiß ist dies mein Programm. Diese drei Millionen Pferde, die nur einige Monate im Jahr arbeiten, fressen Deutschland arm. Sie sind der unerhörteste Luxus, die unerhörteste Verschwendung, die vorstellbar ist. Anstatt des Hafers werde ich Kartoffeln pflanzen und den Betriebsstoff für die Motore in meinen Brennereien herstellen, wenn es sein muß. Im übrigen werde ich ja ganz andere Kraftquellen verwenden. Der Wind und das Wasser werden billige Kraft liefern!“
„Dann gestatten Sie eine weitere Frage,“ fuhr Mackentin fort. „Sie beliebten zu sagen –“
Aber Wenzel unterbrach ihn. Er lachte laut heraus und sagte, während er aufstand: „Strecken Sie die Waffen, Mackentin, Sie werden mit ihm nie in Ihrem Leben fertig.“
Michael ging mit Jenny auf dem Verdeck auf und ab. Er schob seine Hand unter ihren Arm und sagte: „Ich freue mich, Fräulein Florian, daß Sie Wenzel betreuen. Sie üben einen günstigen Einfluß auf ihn aus. Er braucht jemanden, der sein unstetes Wesen ausgleicht. Seien Sie nachsichtig zu ihm! In Wahrheit ist er ja nichts als ein großer Knabe.“
Und Wenzel sagte zu Jenny: „Wie gefällt dir Michael? Er ist einer der reizendsten und sympathischsten Menschen, die es gibt. Wäre ich eine Frau, so würde ich mich tödlich in ihn verlieben! Seine Güte ist ohne alle Grenzen, aber er ist ein Kind. Unter uns gesagt, ich halte ihn für einen Narren. Ich befürchte, er wird schlechte Erfahrungen machen. Schon jetzt greift ihn die Presse heftig an.“
Rätselhaft war Eva, die Schweigsame. Sie schien ganz in sich zu ruhen, ganz Harmonie, sie schien, in sich gesammelt, sich selbst zu genügen. Fast wie ein edles, scheues Tier stand sie, atmete, lauschte, den klaren Blick in die Weite gerichtet. Jenny verliebte sich in sie und küßte sie zum Abschied auf den Mund. Schön, voller Dankbarkeit und Freude war Evas glänzendes Auge auf sie gerichtet.
Jenny vergaß diesen schimmernden Blick nie mehr. „Zum ersten Male habe ich mich in eine Frau verliebt,“ sagte sie lächelnd zu Wenzel.
Oh, wie herrlich waren diese Tage auf der See! Jenny war glücklich und ohne Wunsch. Schon aber bemerkte sie Unruhe in Wenzels Gesicht.