Schon aber begann der Bob zu sausen, und einen Augenblick später verschwand er zwischen den von Schnee und Reif starrenden Bäumen.

Schon am nächsten Abend lud Raucheisen Wenzel zur Tafel. Wenzel hatte sich in große Gala geworfen und erwartete den Alten, einen stillen Triumph in den Augen. Aber er erschrak, als er Raucheisen in den kleinen Salon eintreten sah. Raucheisen schien kleiner und dünner geworden, zusammengezogen vom Alter. Sein Gesicht war fahl, kreidig, von gelben Flecken bedeckt. Er betrachtete Wenzel einen Augenblick mit seinen lebhaften, schnellen Blicken und reichte ihm die kleine, lasche Hand, die beim Gruß nie einen Druck gab.

„Ich freue mich, Herr Schellenberg,“ sagte er und versuchte es mit einem Lächeln, das freundlich sein sollte. „Sie sind noch ganz der gleiche, Sie sind noch in dem Alter, in dem man sich nicht verändert. Wieviel Jahre ist es schon her? Ich aber –?“

Aber er wartete Wenzels Antwort nicht ab. Er begrüßte Baron Blau und schritt hastig zur Tafel, als habe er keine Minute zu versäumen. Er tat es ja nur seiner Tochter zuliebe, daß er mit den beiden Herren speiste.

Baron Blau begann augenblicklich mit seiner monotonen, etwas hohen Stimme zu plaudern. Er sprach, lebhafter als gewöhnlich, von besonderen Schiffahrtsplänen im Mittelmeer, die ihn außerordentlich interessierten und für die er, so schien es Wenzel, den alten Raucheisen zu gewinnen suchte. Raucheisen indessen, der kaum die Speisen berührte, schien nicht hinzuhören. Aber nach einer Weile schüttelte er den kleinen Kopf.

„Das Mittelmeer,“ sagte er ohne aufzublicken, „hat seit dem Kriege noch mehr von seiner einstigen Bedeutung verloren. Es ist zu einer nebensächlichen Pfütze geworden, in die ich keine tausend Tonnen schicken würde.“

Baron Blau schwieg eine Weile. Sein blasses Gesicht wurde ganz allmählich von einer eigentümlich hellen Röte überzogen. Sein dunkles Auge brannte. Der geringschätzige Ton, mit dem Raucheisen seine Pläne abgetan hatte, hatte ihn verletzt. Aber er gab sich keineswegs geschlagen. Es war ja gerade seine Absicht, den Verkehr auf dem Mittelländischen Meer wiederum zu beleben. „Sie beliebten zu sagen: nebensächliche Pfütze,“ rief er, noch immer gekränkt, aus. „Das ist doch wohl etwas übertrieben. Bedenken Sie, Frankreich, Italien, Ägypten –“

Aber Raucheisen antwortete nicht mehr. Er hatte sich längst von diesem Thema abgewandt. Wie ist es nur möglich, daß dieser Baron ein Vermögen gemacht hat, dachte er.

Nun begann Esther lebhaft von Ägypten zu erzählen, wo sie den letzten Winter zugebracht hatte. „Welch ein wundervolles, märchenhaftes Land, Papa! Und dabei jeglicher Komfort, jegliche Bequemlichkeit. Du mußt es unbedingt kennenlernen. Fahre mit mir nach Ägypten, Papa!“

„Ich habe keine Zeit für eine solch lange Reise, mein Kind,“ erwiderte Raucheisen.