„Sie wollten?“

„Ja, kommen Sie.“ Er drängte Georg mit dem Eigensinn eines Betrunkenen in die Kneipe. „In aller Gemütlichkeit,“ fuhr er fort, indem er Georg auf einen Stuhl schob, „in aller Gemütlichkeit wollen wir sprechen. Bringe zwei Kognak, Anton!“ schrie er dem hemdärmeligen Wirt zu. „Ja, Christine – ein feines Kerlchen, ein apartes Kerlchen, aber –“

„Ich wollte Sie ja nicht erschrecken und beleidigen, mein Herr,“ wandte er sich wieder an Georg und schob ihm ein Glas Branntwein hin. „Es war nicht meine Absicht. Sie haben gesehen, daß meine Frau dahinten tot liegt, und aus diesem Grunde bin ich bei jeder Gelegenheit gleich so außer Rand und Band.“ Er goß sich den Kognak in die Kehle und nötigte Georg zu trinken. „Trinken Sie, junger Mann, damit Sie Farbe bekommen. He Anton! Auch Christine liebte es, zuweilen ein Gläschen zu trinken. Sie war garnicht so zimperlich.“

„Christine?“ unterbrach ihn Georg verwundert.

„Ja, Christine. Am Abend, da tranken sie zuweilen ein Gläschen zusammen, Ihre Christine und sie, die nun dahinten liegt.“ Rusch deutete mit dem Daumen hinter sich.

„Einmal nun, sehen Sie, da stieg sie in eine Droschke ein – und hast du nicht gesehen – auf der andern Seite fiel sie wieder hinaus. Und wir lachten, hahaha! Alles lachte. Was ist dabei, wir haben alle unsere Schwächen.“

„Christine fiel aus der Droschke?“

„Aber nein, nein. Sie fiel aus der Droschke, sie, die nun dahinten liegt. Trinken Sie doch, trinken Sie aus, damit ich sehe, daß Sie mir nichts nachtragen.“

Georgs Augen brannten. Seit wann Christine nicht mehr bei ihm wohne?

Der Schlosser dachte nach. Er kniff das beschmierte Gesicht zusammen. „Seit wann?“ erwiderte er. „Lassen Sie mich nachdenken? Ja, seit wann? He, Anton, erinnerst du dich? Diese kleine Schwarze, weißt du, die soviel lachen konnte.“