Gerhard blickte sie mit den grauen Augen Wenzels an. „Wer will uns wegnehmen?“ fragte er, das Gesicht in Tränen gebadet.
„Nun, Papa!“
Oh, nun war ihr schon etwas leichter. Sie vermochte wieder zu denken, es war zuviel gewesen. Sie klingelte Michael an, und Michael ließ ihr sagen, daß er noch etwa zwei Stunden im Bureau sein werde und sie erwarte.
Augenblicklich nahm Lise einen Wagen. Es war etwas nach neun Uhr, als sie im Bürogebäude Michaels ankam. Michael saß an seinem Schreibtisch, müde und abgespannt, und diktierte Eva Dux Briefe.
„Ich stehe sofort zu deiner Verfügung, Lise,“ sagte er mit einem müden Lächeln. Eva erhob sich, ohne ein Wort zu sprechen, und verließ das Zimmer.
„Wie geht es mit der Stimme?“ fragte Michael. Nun aber bemerkte er Lises außerordentliche Erregung und Blässe. Von ihren Wimpern sprangen die Tränen. Sein Gesicht verfinsterte sich.
„Die alte Sache?“ fragte er. „Weshalb könnt ihr euch nicht in Frieden trennen?“ Diese langwierige Scheidungsangelegenheit quälte ihn tödlich.
Lise warf das Schreiben des Anwalts und die Vorladung auf den Tisch. „Lies nur, Michael, lies!“ schrie sie. „Wenzel ist ein Schurke! Ein vollendeter Schurke!“
„Weshalb diese Heftigkeit, Lise?“ sagte Michael und runzelte ärgerlich die Stirn. Er durchflog das Schreiben des Anwalts und die Vorladung des Gerichts.
Nun begann Lise leise zu wimmern.