„Wie, mich?“ unterbrach ihn Lise maßlos erstaunt. „Ich werde nachweisen, daß Wenzel die Ehe mit einem Dutzend von Frauen gebrochen hat.“
Der Justizrat schüttelte den Kopf. „Sie kennen die Gesetze nicht, gnädige Frau. Es wäre ja immerhin möglich, und wir müssen jedenfalls damit rechnen. In diesem Falle aber, gnädige Frau, wäre Herr Schellenberg jeglicher Verpflichtung Ihnen gegenüber ledig.“
„Ich will auch nicht verschweigen, daß das Gericht in diesem Falle sich dahin entscheiden könnte, Ihnen die Kinder nicht weiter zu belassen.“
„Dann sind die Gesetze einfach Unfug!“
In Anbetracht all dieser Umstände, angesichts der Tatsache, daß sich die Lage leider verschlechtert habe, unleugbar, riet der Justizrat zum Vergleich. Er werde sich bemühen, die günstigsten Bedingungen zu erzielen.
Aber Lise wollte unter keinen Umständen etwas von einem Vergleich wissen. Wenzel hatte die letzte „Brücke“ abgebrochen, und diese Bemerkung mit den „paar Pfund Fleisch“ würde sie ihm bis zu ihrem Tode nicht verzeihen. Sie liebte ihre Kinder abgöttisch, Wenzel wußte es genau, und doch ließ er diese Schurkerei von seinem Anwalt schreiben. Sie leugnete ja gar nicht, daß sie seinerzeit jene alberne Bemerkung gemacht hatte, aber spricht nicht jeder Mensch einmal eine Roheit und eine Dummheit aus?
Nein und dreimal nein! Sie wollte keinen Vergleich, und wenn er ihr zehn seiner erwucherten Millionen auf den Tisch legen würde. Sie wisse recht gut, weshalb Wenzel es plötzlich so eilig hatte, seine erste Ehe zu lösen, oh, recht gut! Sie fürchtete den Prozeß nicht, und sie würde den Richtern wohl sagen, wer hier der Ehebrecher sei.
„Verzeihen Sie, gnädige Frau,“ unterbrach sie der Justizrat. „Wenzel Schellenberg hat gegen Sie Klage erhoben und nicht Sie gegen Wenzel Schellenberg. Wir können ja eine Gegenklage einreichen, und es besteht kein Zweifel, daß das Gericht ohne jedes Zögern die Scheidung aussprechen wird.“
„Nun verstehe ich gar nichts mehr!“ rief Lise verzweifelt aus. „Ich will ja die Scheidung nicht!“