Aber nun hören Sie, Herr, nun kommt das Interessante. Eine Straße vorher verließ mich Roth und sagte mir, in genau einer Viertelstunde wirst du nachkommen. Es ist jetzt ein Viertel vor zwölf Uhr. Komme du Punkt zwölf. Ich komme Punkt zwölf. Das Fenster wird langsam aufgemacht, und ich steige ein. Wissen Sie, mein Herr, was nun passierte?“

„Nein,“ sagte Georg, der nur aus Höflichkeit zuhörte. „Wie sollte ich es wissen?“

Rusch lachte, daß seine dicke Zunge zwischen den Bartstoppeln sichtbar wurde. „Sofort ergriffen mich zwei Paar Arme. Ich war der Polizei in die Hände gefallen. Haben Sie in Ihrem Leben so etwas gehört?“

„Also hatte Roth Sie verraten?“

„Er hatte mir eine Falle gestellt, und ich war in diese Falle gegangen. Er und Mariechen wollten mich loshaben, und so ließen sie mich hochgehen.

Nun, ich bekam zwei Jahre, und ich schwieg.

Aber ich sagte mir, wenn ich herauskomme, seid ihr beide verloren. Und als ich herauskam, sehen Sie, mein Herr, da kaufte ich mir ein Messer und einen Revolver, und ich sagte mir, wartet nur ihr beiden, wo ich euch auch finde! Aber es war schwer sie zu finden. Ich arbeitete am Tage, abends aber besuchte ich immer eine Reihe von Tanzlokalen. Und nun hören Sie, Herr, nun kommt das Interessanteste.“ Rusch goß sich ein neues Glas hinunter. „Nun kommt das Interessanteste, mein Herr. Eines Abends komme ich in ein kleines Tanzlokal in Treptow. Es war nicht sehr voll, und plötzlich, wen sehe ich? Roth und Mariechen. Ich gehe auf sie zu, und was glauben Sie? Ich hatte die Hände in den Taschen und hatte den Revolver und das Messer bereit. So kam ich also auf sie zu. Roth riß sofort aus. Aber Mariechen, was glauben Sie, was sie tat? Mariechen fiel in die Knie und schrie so jämmerlich, wie ich nie einen Menschen schreien hörte. Und dabei hob sie die Arme in die Höhe. Und was glauben Sie, was geschah? Ich vergaß meinen ganzen Zorn und alle Eide, die ich geschworen hatte. Ich hob Mariechen auf und sagte, aber Mariechen, was gibt es denn zu brüllen? Und sie weinte und schluchzte, und ich beruhigte sie. Da wurde sie endlich ruhig, und sie sagte, sie werde jetzt wieder bei mir bleiben. Denn sie liebe mich viel mehr als diesen Roth. Das tat sie auch, mein Herr. Und sehen Sie, solche Dinge gibt es auf der Welt.“

Plötzlich hob Rusch die beiden großen Fäuste in die Luft und brüllte: „Und nun ist sie tot, Mariechen! Nun liegt sie da hinten und ist tot! Mariechen! Mariechen!“ Er schlug sich mit der Faust auf den Kopf.

„Nun, Rusch, beruhige dich,“ sagte der Wirt. „Du wirst es schon verwinden.“

„Und nun ist Mariechen tot!“ brüllte Rusch nochmals.