Abermals meldete sich niemand auf den Anruf! Nunmehr verlangte Mackentin den Hausverwalter. Eine Viertelstunde später, während er gequält und von bösen Ahnungen gepeinigt an den Nägeln zupfte, wußte er alles.

Mackentin hatte den Auftrag, in etwa drei bis vier Tagen zur Berichterstattung nach London zu kommen. Er nahm indessen schon am nächsten Vormittag das Londoner Postflugzeug und kam nach einer stürmischen Fahrt gegen Abend in London an. Er meldete sich bei Wenzel und wurde augenblicklich vorgelassen.

Wenzel war eben dabei, sich für den Abend fertigzumachen. Er lag in einem Sessel, die langen Beine behaglich von sich gestreckt, und ließ sich vom Barbier rasieren, während ein junges, zartes Mädchen seine Hände manikürte. Das Zimmer roch intensiv nach Essenzen und Parfüms. Ein feuchtes Handtuch war zum Glätten der Haare wie ein Turban um Wenzels Kopf gebunden.

Mit einer Verbeugung trat Mackentin ein. „Melde mich ergebenst zum Vortrag,“ sagte er, bemüht, seiner Stimme einen alltäglichen Klang zu geben.

Wenzel winkte mit der Hand und nickte ihm durch den Spiegel zu. „Ich habe Sie erst übermorgen erwartet, Mackentin. Sie sehen ja so bleich aus. Nehmen Sie Platz, ich bin sofort zu Ihrer Verfügung.“

„Die Fahrt war schlecht, ich wurde seekrank,“ erwiderte Mackentin und nahm Platz.

Die Maniküre verschwand, dann verabschiedete sich auch der Friseur.

Wenzel schüttelte die langen Beine und erhob sich aus dem Sessel, um Mackentin zu begrüßen. Aber schon beim ersten Blick in Mackentins Gesicht erkannte er deutlich, daß irgend etwas Besonderes vorgefallen sein mußte. Mackentins Nase schien noch schiefer zu stehen als gewöhnlich.

„Hat es einen besonderen Grund, daß Sie zwei Tage früher gekommen sind?“ fragte er, seine Unruhe verbergend, und seine Haltung wurde straffer.

„Leider eine sehr traurige Ursache,“ entgegnete Mackentin. Und er berichtete, kurz, mit militärischer Sachlichkeit und Knappheit. Diesen militärischen Ton pflegte er stets zu wählen, wenn er völlig ratlos war.