Michael senkte den Kopf. „Du weißt, Wenzel, daß weder die Regierung noch das Parlament eine derartig riesige Aufgabe lösen könnte, ohne durch tausend Widerstände gehemmt zu werden.“
„Nun, dann sollen die breitesten Schichten, die es angeht, sich um eine andere Regierung und ein anderes Parlament umtun. Was geht es mich an, wenn sie zu indolent dazu sind?“
Michael blickte mit erschrockenen, verwunderten Augen auf den Bruder. Er erwiderte nichts.
Und Wenzel fuhr mit großer Erregung fort: „Weshalb mischst du dich in die Angelegenheiten anderer Menschen? Sie lohnen es dir nicht! Im Gegenteil, ich sage es dir nicht zum ersten Male, nimm dich in acht, die Menschen haben noch immer ihre Wohltäter gesteinigt. Ich öffne die Zeitungen und lese, wie heftig man dich angreift!“
„Laß sie mich doch angreifen. Ich habe Gegner, natürlich, aber ich habe auch Anhänger, die für mich durchs Feuer gehen.“
Wenzel blieb vor dem Bruder stehen. „Du bist töricht, Michael. Weshalb greift man mich nicht an, von ein paar obskuren Blättern abgesehen? Ich will dir das Geheimnis verraten. Mein Konzern gibt jährlich Hunderttausende für Inserate aus. Wehe, wenn sie es wagten! Zuweilen kommt irgendein Revolverjournalist mit dem noch nassen Bürstenabzug eines Artikels gegen meinen Konzern oder mich zu mir. Man gibt ihnen ein Trinkgeld und wirft sie zur Tür hinaus. Warum machst du es nicht ähnlich? Niemand wird es wagen, dich anzugreifen.“
Michael schüttelte den Kopf. Er hielt den Blick lange vorwurfsvoll auf Wenzel gerichtet.
„Wenn man dich auch in der Presse nicht angreift, Wenzel, so übt man doch in der Öffentlichkeit lebhafte Kritik an dir. Man kritisiert deine Passionen, deinen Aufwand, deine Verschwendung, deine Geschäftsmethoden. Verzeihe, daß ich es dir offen sage, Bruder. Niemand wagt es ja, sie sind alle abhängig von dir und zittern vor deinem Zorn. Man spricht sehr abfällig über deine Scheidungsangelegenheit, und man hat die unglückliche Jenny Florian nicht vergessen.“
Wenzel wurde bleich vor Zorn. Seine Augen funkelten. „Wer ist man?“ schrie er. „Wer kritisiert? Sie sollen schweigen! Sage ihnen, daß sie schweigen sollen! Ich kann ihnen kein Recht auf Kritik einräumen. Es sind dieselben Leute, die mich auf der Straße krepieren ließen, als ich aus dem Krieg zurückkam. Es sind Lügner und Heuchler, ich mache diese Lüge nicht mit, sage es ihnen. Es sind Leute, die ihre Dienstboten wie Leibeigene behandeln und ihre Arbeiter wie Sklaven! Frage in meinem Hause nach, erkundige dich in meinen Betrieben. Ich gebe viele Hunderttausende im Jahre aus für Wohlfahrtseinrichtungen und Renten. Und meine Geschäftsmethoden? Sage ihnen, daß meine Geschäftsmethoden ebenso gut und ebenso schlecht sind wie die anderer großer Konzerne.“
Michael erhob sich, um das Gespräch abzubrechen. War das Wenzel? Welche Hoffart, welche Selbstherrlichkeit in dieser lauten, gewalttätigen Stimme! Es hatte keinen Sinn, dagegen zu kämpfen.