Esther Schellenberg war im Mai nach Berlin zurückgekommen und hatte ihre Residenz im Schellenbergschen Palais im Grunewald aufgeschlagen. Tag und Nacht knirschten die Pneus der eleganten Autos auf den Kieswegen vor der Freitreppe. Tag und Nacht gingen die Gäste aus und ein. Der Haushofmeister, der ehemalige Regimentskommandeur, hatte vollauf zu tun. Fast ständig waren die Gastzimmer des Hauses besetzt. Es kamen viele ausländische Gäste. Baron Blau betrachtete sich das Haus und sagte aus Höflichkeit einige Schmeicheleien. Major Fairfax kam auf vierzehn Tage. Er beachtete das Haus kaum. Er spielte vom frühen Morgen bis zur sinkenden Nacht Tennis, mit jedermann, der gerade mit ihm spielen wollte.

Esther hatte die Absicht, den größten Teil des Jahres im Auslande zu verbringen und sich in Deutschland so wenig wie möglich aufzuhalten. Ein paar Monate im Frühling und im Sommer vielleicht und ein paar Wochen im Winter etwa, wenn das Theater- und Konzertleben Berlins sich wieder beleben sollte.

Aber auch für diese wenigen Monate mußte Abwechslung und Zerstreuung geschaffen werden. Für diese Zwecke schien ihr das Jagdschlößchen Hellbronnen ganz besonders geeignet. Vielleicht ließ sich daraus etwas machen, was ihre englischen und französischen Bekannten nicht hatten, eine Attraktion, die die Freunde von weither anlockte. Sie plante auf Hellbronnen Sommerfeste, Maskeraden, italienische Nächte, sie plante alle möglichen Dinge. Man konnte gewiß recht ausgelassen in dem Schlößchen und dem verschwiegenen Park sein, ohne irgendwie gestört zu werden. Es ließ sich dort alles mögliche arrangieren. Sie beabsichtigte zu diesen Festen ihre englischen und französischen Freundinnen, die sich auf das Leben verstanden, einzuladen. Es sollte eine Sache werden, von der man überall sprach.

„Willst du mir eine Freude machen?“ fragte sie Wenzel. „Willst du mir Hellbronnen schenken?“

„Was bietest du dafür?“ fragte Wenzel.

Esther blickte ihn an und lächelte mit den gemalten schmalen Lippen. „Du kannst fordern,“ erwiderte sie.

„Gut, so will ich dir Hellbronnen verschreiben lassen.“

„Ich kann damit anfangen, was ich will?“

„Natürlich.“

Schon am nächsten Tage fuhr Esther mit den Architekten Kaufherr und Stolzer nach Hellbronnen, um ihnen ihre extravaganten Wünsche vorzutragen. Es sollten Pavillons errichtet werden, da und dort, für die Gäste, möglichst verschwiegen, möglichst abgesondert, mit allem Raffinement ausgestattet. Der Park sollte wie ein Zaubergarten wirken. Phantastische Gondeln sollten auf den Teichen fahren, Wasserkünste, die man farbig beleuchten konnte, waren zu bauen. In einem großen Treibhaus sollten exotische Pflanzen gezüchtet werden, die man im Sommer ins Freie bringen konnte, um den phantastischen Eindruck zu erhöhen. Ein kleiner Teich aber sollte, so wie er war, vollständig mit Glas überdacht werden! Der Teich war mit ausgewählten Seerosen zu bepflanzen. Vielleicht ließ sich der Grund so behandeln, daß das Wasser türkisblau erschien? Eine Heizanlage war vorzusehen, damit man auch an kühlen Tagen in dem kleinen Teich baden konnte.