Der siegreiche Makler rückte sich die Perücke auf dem Kopfe zurecht und wischte sich mit einem nicht ganz sauberen Taschentuch den Schweiß vom Gesicht.
Welche Macht war hier auf dem Kampfplatz, die alles an sich riß? Zuweilen trieb der Makler mit der Perücke ein Objekt bis zu fabelhafter Höhe empor, um plötzlich abzuspringen. Aber das Silber? Welch eine phantastische Summe! Wer soll es haben? Ein Unbekannter?
Ein fetter Rücken flüsterte in das knorplige Ohr seines Nachbarn: „Es ist Schellenberg, was sagte ich Ihnen! Sehen Sie, dort steht er, jener große Herr, der sich Notizen in den Katalog macht.“
„Unmöglich!“
„Weshalb unmöglich? Ich sagte Ihnen ja –“
Wenzel Schellenberg folgte der Auktion mit aufmerksamer, gesammelter Miene und einem leisen gutgelaunten Lächeln. Nur zuweilen weiteten sich seine Augen, wie die eines Spielers, der einen hohen Einsatz wagt.
Einige Reihen vor ihm stand gegen die Wand gelehnt Herr von Stolpe, jener kleine Leutnant mit den rosigen Kinderwangen, der vor etwa drei Jahren den Waldverkauf vermittelt hatte. Er war anscheinend eifrig in den Katalog vertieft, und nur, wenn die Zahlen gespenstisch in die Höhe kletterten, streifte er mit einem unauffälligen Blick Wenzels Gesicht. Rollte Schellenberg den Katalog zusammen, so strich sich Stolpe unauffällig übers Haar, und in dem gleichen Augenblick sprang der Makler mit der grauen Perücke ab und überließ den andern das Schlachtfeld.
Nun ging es um die Louis-XVI.-Garnitur. Wiederum begannen die Zahlen wie Raketen in die Höhe zu schießen. Wiederum schien ein rasender Kampf zwischen dem Agenten mit der Perücke und einer Schar von Händlern bevorzustehen. Die Zahlen schossen derartig in die Höhe, daß der Saal unruhig wurde und die Frauen sich wiederum von den Sitzen erhoben. Stolpe wurde nervös. Er blickte auf Schellenberg. Aber Wenzel schien der Auktion gar nicht zu folgen. Er stand da und blickte zwischen den Köpfen hindurch, auf irgend jemand. Plötzlich wandte er zerstreut den Kopf, blickte in den Katalog, hörte die quäkende, trockene Stimme des Maklers und rollte den Katalog zusammen. Aber es war zu spät.
An den nächsten drei Objekten war Schellenberg nicht interessiert. Er blickte wieder zwischen den Kopfreihen hindurch: Es war hier auf der Auktion der Sammlung Flottwells, wo Schellenberg Jenny Florian wiedersah! Vor etwa drei Wochen hatte sie ihm Stolpe flüchtig vorgestellt. Er erkannte sie sofort wieder, an ihrem aschblonden Haar, das sie weich und schlicht in einem bescheidenen lockeren Knoten im Nacken trug. Ihr Profil, das er nun ruhig prüfen konnte, war klassisch schön. Eine gewölbte ruhige Stirne, darunter ein strahlendes, forschendes, klares Auge, das wie Perlmutter schimmerte. Das Gesicht, fein, träumerisch, in der Tat, Jenny Florian galt nicht umsonst als eine der schönsten Frauen Berlins. Nun fühlte sie den Blick und wurde unruhig.
„Wer war diese blonde Dame?“, hatte Wenzel damals Stolpe gefragt.