Engelhardt erwiderte nichts. Ein Zittern durchlief seinen Körper, und seine dünnen behaarten Hände zuckten zuweilen, ganz als ob er einem elektrischen Strom von wechselnder Stärke ausgesetzt wäre.
Michael Petroff lächelte und ging näher. „Wie befinden Sie sich, lieber Freund?“ sagte er leise und voller Anteilnahme, indem er sich über Engelhardt beugte. „Der Arzt war heute nacht bei Ihnen?“
Engelhardt rollte den Kopf auf dem Kissen hin und her. Er war erschöpft nach einer schlaflosen Nacht und den Beruhigungsmitteln, die ihm der Arzt verabreicht hatte.
„Schlecht!“ antwortete er tonlos.
„Schlecht?“ Michael Petroff zog besorgt die Brauen in die Höhe. „Es geht ihm nicht gut, unserm Freunde!“ wandte er sich an den kleinen Advokaten, der immer noch an der Türe stand.
„Haben Sie Schmerzen?“ Michael Petroff beugte sich wieder über den Kranken und näherte das Ohr seinem Munde.
„Ja“, erwiderte Engelhardt tonlos und matt und murmelte in Petroffs Ohr. Es hörte sich an, als bete er.
Michael Petroff richtete sich auf und sah den kleinen Advokaten an. „Er sagt, er sei mit seinen Kräften zu Ende, unser Freund. Er braucht eine neue Seele, — wie damals im Winter, als der Pfleger starb, erinnern Sie sich?“ Und in das Ohr des Leidenden rief er hinein, unnötig laut: „Ich werde mit dem Doktor reden, Freund Engelhardt. Das ist des Doktors Sache. Er wird Ihnen eine Seele verschaffen, so oder so!“
Der kleine Advokat aber hüllte sich plötzlich enger in seinen Schal. Ihn fröstelte. Für gewöhnlich blieben nur wenig Eindrücke in seinem Gedächtnis haften, aber er erinnerte sich noch deutlich an den Tod des Pflegers Schwindt, — wie Michael Petroff zu ihm ins Zimmer kam und ihm geheimnisvoll ins Ohr flüsterte: „Der Pfleger ist gestorben. Engelhardt holte sich seine Seele, sehen Sie!“ Nun ergriff ihn Schrecken bei dem Gedanken, daß Engelhardt am Ende seine Seele fordern könnte, und nichts fürchtete er mehr als den Tod.
Der Tod lebte in seinem kranken, wirren Kopf als eine Gestalt, die unsichtbar bis auf die Hände war. Plötzlich, oh, so plötzlich! würde er neben ihm stehen, dicht an seiner Seite. Und eine entsetzliche Kälte würde von ihm ausströmen, mit einemmal würden alle Blumen bereift umsinken und die Millionen rascher Vögel erstarrt aus der Luft stürzen, und er selbst würde in einen kleinen Schneehaufen verwandelt werden.