„Hören Sie, mein Freund!“ rief er dem kleinen Advokaten zu, der in einer Rasenfläche stand und sich mit der Gießkanne über ein Tulpenbeet beugte, um die Blumen in der Mitte zu begießen. „So kommen Sie doch heraus! Es gibt Neuigkeiten! Nun, so kommen Sie doch endlich!“

Er wartete in liebenswürdiger Ungeduld, bis der Advokat fertig war und auf den Weg trat, um mit der leeren, grünen Kanne zum Brunnen zu gehen. „Ich will Ihnen erzählen, was sich heute ereignete,“ begann er dann rasch, „Seine Majestät der König von Sachsen haben geruht —“

„Verzeihen Sie,“ unterbrach ihn flüsternd der Advokat und fing an zu gehen, „es ist heiß, ich habe es eilig. Die Blumen vertrocknen.“

„Ich gehe mit Ihnen zum Brunnen,“ fuhr Michael Petroff gut gelaunt fort und ging rasch neben dem eilenden Advokaten her, „ich kann es Ihnen ja ebensogut im Gehen erzählen. Ich sage also heute zum Doktor: ‚Nun, Doktor, für mich haben Sie heute nichts?‘ ‚Nein,‘ sagt er, ‚lieber Kapitän, leider nichts.‘ ‚Gar nichts,‘ sage ich und fasse ihn am Arm, ‚seit Wochen ist keine einzige Antwort eingelaufen? Wirklich nichts, Doktor?‘ Er sieht mich an und denkt nach. ‚Ach ja,‘ sagt er, ‚ich hätte es beinahe vergessen. Es ist ein Schreiben eingelaufen. Es betrifft diesen Tischlergesellen, Sie wissen, lieber Kapitän?‘ ‚Tischlergesellen? Doktor? Ich erinnere mich nicht‘ — ich ziehe mein Taschenbuch heraus, in das ich alle ausgehenden Schriftstücke eintrage: ‚Woher kam die Antwort? Aus Sachsen? Ah,‘ sage ich, ‚dann betrifft es jenen Schlächtergesellen, den man zum Tode verurteilt hatte.‘ ‚Ja,‘ sagt der Doktor, ‚ganz richtig, ein Schlächtergeselle war der Bursche.‘ Und nun hören Sie, lieber Freund: Seine Majestät der König von Sachsen haben geruht, ihn auf meine Petition hin zu begnadigen. Ich werde noch heute ein Dankschreiben an Seine Majestät entwerfen.“

„Wie sie heute sticht, die Sonne“, antwortete der Advokat auf Michael Petroffs Erzählung und begann den Pumpenschwengel zu ziehen. „Die Blumen sehen alle so matt aus.“

„Hahaha!“ Michael Petroff lachte. „Sie hören ja gar nicht zu? Wie?“

Nein, der Advokat hörte nicht zu. Er sah in die Kanne, ob sie voll wäre.

Michael Petroff betrachtete ihn eine Weile mit zur Seite geneigtem Kopf, dann lachte er still vor sich hin und ging rasch weiter. Er blickte über den Garten und suchte nach jemand, dem er die frohe Botschaft erzählen könnte.

Da entdeckte er den „Rajah“, der im Gemüsegarten, zwischen zwei Salatbeeten hin und her ging. Seiner Gewohnheit gemäß war der „Rajah“ allein und da, wo sonst niemand war.

Michael Petroff wippte sich auf den Zehen und dachte einen Augenblick daran, mit einem einzigen Sprung über die Beete zu setzen, die ihn, etwa hundert Schritt breit, von dem „Rajah“ trennten. Er brauchte sich ja nur ein bißchen in die Höhe zu schnellen und wäre dort. Aber er befürchtete unhöflich gegen den „Rajah“ zu sein, ihn vielleicht zu erschrecken, und unterließ es.