„Sie bezahlen?“
„Ja, natürlich!“ antwortete Michael Petroff heiter. „Unsummen. Millionen!“
„Oh!“ Nun verstand der Advokat.
„Ja, sehen Sie, so ist es auf der Welt!“ sagte Michael Petroff und schnippte mit den Fingern.
Aber der Advokat konnte doch nicht recht begreifen.
„Ich verstehe nicht,“ begann er von neuem, „Doktor März ist ja so gütig. Ich wohne hier, lebe hier, habe mein Essen und bezahle nichts. Er hat noch nie Geld von mir verlangt. — Ich habe ja kein Geld, Sie wissen“, schloß er noch leiser und ängstlich.
Michael Petroff legte ihm wohlwollend und wichtigtuend die Hand auf die Schulter. „Sie arbeiten ja im Garten,“ sagte er, „begießen die Blumen. Wie sollte er es also wagen, Geld von Ihnen zu fordern? So einfach ist das. Vielleicht haben Sie aber auch Verwandte da draußen, die für Sie bezahlen?“
„Verwandte?“
„Ja. Da — draußen!“ Auf den schönen knabenhaften Lippen Petroffs erschien ein grausames Lächeln. Sollte er diesem kleinen alten Mann in dem wollenen Schal erklären, wo er sich befand? Sollte er diesem kleinen alten Mann mit dem grauen faltigen Gesicht vielleicht erklären, daß es ein „Da draußen“ gab — wo sie zum Beispiel eben in einen Schnellzug einsteigen oder sich die Hände waschen, um sich an den Tisch zu setzen? Er wippte sich auf den Zehen, und plötzlich verlor er die Vorstellung seiner Körperlichkeit: er kam sich vor wie ein riesiger in die Wolken ragender Turm, der auf den kleinen, kahlköpfigen Mann, der nur ein paar dünne Haarbüschel über den Ohren hatte, herabblickte. Eine Lust erfaßte ihn, den Advokaten zum Weinen zu bringen.
Da aber verbeugte er sich plötzlich leicht vor dem Advokaten und sagte: „Vergeben Sie Michael Petroff!“ Er machte ein paar Schritte durchs Zimmer, dann wandte er sich in ganz dem gleichen Ton wie vorhin an seinen Gast: „Wird es schönes Wetter bleiben, heute?“