„Ich glaube — ich weiß es nicht“, erwiderte der Advokat unsicher.

„Nun, wir wollen Kricket spielen, heute nachmittag. Sie frieren?“

„Ja“, flüsterte der Advokat und zog die Halsbinde enger.

Michael Petroff sah ihn mit schräg geneigtem Kopf an. „Ich kann nicht begreifen, daß Sie heute frieren können.“ Und er lachte fröhlich. „Kommen Sie,“ sagte er dann, „wir wollen —“ er hielt inne, denn er wußte nicht, was er wollte — „wir wollen — ja, wir wollen Freund Engelhardt besuchen. Kommen Sie! — Der Arzt war heute nacht bei ihm“, schloß er geheimnisvoll.

„Der Arzt?“

„Ja. Er ist krank, unser Freund. Hm, hm.“ Michael Petroff schloß sorgfältig das Manuskript der Zeitung ein, setzte eine große graue englische Reisemütze auf, warf einen Blick in den Spiegel, und sie verließen zusammen das Zimmer. Michael Petroff lachte leise, tief innen in der Kehle. An der Türe Engelhardts angelangt, blieben sie stehen und klopften lauschend. —

Für Michael Petroff gab es im Jahr zwei große Tage.

Der eine war sein Geburtstag, am 16. Mai. Michael Petroff vergaß ihn nie. Am 16. Mai ging er mit wichtiger Miene und Blicke werfend umher und sagte zu jedem, den er traf: „Heute ist mein Geburtstag. Danke für die Glückwünsche!“ Vor Tisch kam dann stets der Pfleger und bat ihn, zu Doktor März zu kommen, der ihm zu gratulieren wünsche.

Dann begab sich Michael Petroff mit leichten Schritten ins Sprechzimmer des Doktor März, schüttelte ihm die Hand und dankte für den wunderbaren Strauß weißer Rosen, den Doktor März ihm überreichte.

Michael Petroff ahnte nicht, woher der Strauß weißer Rosen kam. Er wußte nicht, daß an jedem Geburtstag hinter der Portiere des Sprechzimmers seine Gemahlin und seine Tochter standen, die alljährlich die weite Reise machten, um ihn zu sehen. In den ersten Jahren war die Gattin des Kapitäns blond gewesen, dann war sie allmählich grau geworden und jetzt war sie weiß, obgleich sie noch verhältnismäßig jung war. Früher war sie allein gekommen, seit drei Jahren war aber stets eine junge Dame in ihrer Begleitung, die immer schrecklich weinte, wenn sie kam und ging. Die junge Dame hatte nur ein Ohr und verbarg diese Verunstaltung durch die Frisur. Das andere Ohr hatte ihr Michael Petroff abgeschnitten, als sie noch ein Kind war, damals, als sein Leiden ausbrach.