Roll mit leuchtenden Augen und zitternder Stimme: Ich bringe so gute Nachrichten, daß ich zittere, soll ich berichten. Gottes Gnade ist mit uns.
Alle durcheinander: Brüder! Sprich, Roll. Unendlich ist die Gnade des Herrn.
Roll. So laßt mich mit den betrüblichen Nachrichten beginnen, Freunde. – In Herzogenbusch, ihr Freunde, wurde ein Zug unserer Brüder von den Reitern des Herzogs von Geldern umzingelt und niedergemacht. Bewegung. In Amsterdam wurden sechs unserer Brüder enthauptet. Der Rat von Amsterdam ließ ihre Köpfe auf Speere stecken und am Hafen aufstellen, so daß alle Schiffe, die ein- und ausfahren, die Köpfe unserer armen Brüder sehen müssen.
Alle verhüllen das Antlitz: Wehe!
Dusentschur. Räche! Räche! Rott aus! Rott aus!
Roll schwärmerisch: An anderen Orten aber hat Gott uns in Gnaden aufgenommen. Aus Köln, aus Cleve, Jülich, Holland, Friesland sind unsere Brüder in großen Scharen unterwegs mit Pferden und Wagen, Frauen und Kindern. Von Amsterdam sollen dieser Tage zwölf Schiffe abgehen.
Rottmann leise: Herrlich erstrahlst du in deinem Glanze, Gott im Himmel.
Roll. Viele Tausende habe ich selbst getauft und ihre Seelen dem Heil zugeführt. Das Werk der Propheten und Prediger, die Johann aussandte, war gesegnet. In Harlem sah man feurige Männer durch die Luft fliegen und viele Brüder und Schwestern nahmen dort die Taufe. Länder und Städte erbeben unter dem Hauche des Evangeliums. Wie ein Feuer breitet sich die Lehre des Heils über die Länder aus. Die Verstocktesten brechen in Tränen aus und die Sündigsten fallen in die Knie und flehen um Erleuchtung. Der Sieg der reinen Lehre wird offenbar! Alle Länder ringsum sind in heller Erregung. Die Städte Deventer und Telgte sollen in der Hand unserer Brüder sein, so hörte ich. Wunder geschehen. Männer und Frauen und Kinder sprechen mit prophetischen Zungen. Die Bäume blühen allerorts zum zweitenmal. Emphatisch: Und weit über das Münsterische Land sieht man den Stern leuchten, der jede Nacht über Münster funkelt.
Jubel: Münster! Münster!
Roll zieht einen Beutel aus dem Wams: Und hier! Von den Brüdern und Schwestern! Ringe und Geschmeide der Bauern und Bäuerinnen, der Zimmerleute, Tuchweber, Schuhmacher, Zinngießer. Ohrgehänge, Ketten, Goldgulden, Spangen und Schnallen. Wirft den Beutel auf den Tisch. Hätte ich alles tragen können, was sie gaben, so wäre es ein großer Sack geworden. Die Brüder wollen uns auf ihren Wagen Kleider und Schuhe bringen, Leder, Fässer voll Pulver und Blei, Säcke voller Korn, alles was die Stadt Münster brauchen kann. Tausende von Rindern wollen sie mit sich treiben auf den Landstraßen. So gelobten sie.