Rottmann etwas hochmütig: Wir haben uns zuletzt bei der Versammlung in Telgte gesehen, Meinhard. Damals, erinnerst du dich, mit Betonung als der Bischof allen Bürgern von Münster freies religiöses Bekenntnis verbriefte.

Meinhard. Wer sollte Bernhard Rottmann nicht kennen? Den gewaltigen Prediger vor dem Herrn. Erst war er Mönch, ihr Herren, bei den Dominikanern, dann wurde er ein großer Freund Luthers und ging nach Wittenberg. Ich habe dich noch predigen gehört, Rottmann, hier zu Münster, da hast du gepredigt gegen die Täufer und Propheten, daß dir das Maul schäumte!

Rottmann. Daß dich die Lüge nicht gereut, Meinhard!

Meinhard. So etwas hört man nicht gerne. Damals ging es noch um Hals und Kragen. Es gab noch eine Obrigkeit in Münster, Rat und bischöfliche Kommissare. Und heute sehe ich dich selbst unter den Täufern und Propheten. Bernhard Rottmann ist selber ein Prophet geworden! Er lacht auf. Vielleicht wirst du noch einmal Muselmann werden, wenn es noch eine Weile dauert.

Rottmann bleich und zornig: Schweige! Die Schlange spricht aus deinem Hals!

Knipperdolling lacht: Sachte, Bruder Rottmann. Er kann es nicht lassen, das große Maul. Von jeher war es bekannt, daß Meinhard von Hamm das größte Maul im ganzen Münsterlande hat. Auch jetzt spuckst du noch große Bogen, ganz als ob du dreihundert bewaffnete Knechte bei dir hättest. In anderem Ton. Meinhard, wenn die Sterne am Himmel aufgehen, wird dein eitles, törichtes Herz nicht mehr schlagen, das sagt dir Knipperdolling. Er setzt sich.

Meinhard ist eine Sekunde erbleicht, faßt sich aber sofort wieder: Es ist noch keiner aus Münster lebendig herausgekommen, das weiß ich wohl.

Knipperdolling. Du hast die Brüderschaft verfolgt und gehetzt wie der Hund die Hasen, du weißt es!

Empörtes Geschrei der Täufer. Knipperdolling wehrt ab.

Meinhard. Ich werde nicht flennen, wenn ihr mir den Kopf abschlagt. Tu mit mir, Knipperdolling, was du willst. Tu mit mir, was ich tun werde, wenn du einmal in meine Hände fallen solltest! Sein Auge glüht.