Johann. Ihr werdet verstehen! Er wendet sich zu Hille Feiken. Schwester Hille, erhebe dich!
Hille steht auf und kniet nieder: Ich bin Hille Feiken, Gottes unwürdige Magd.
Johann. Knie nicht, Hille. Nur vor Gott sollst du knien. Hille steht auf. Ihr kennt Hille Feiken, die aus Ostfriesland zu uns kam. Sie gab all ihr Hab und Gut, Haus und Vieh den Armen. Gott hat sie erhöht für ihren Glauben. Sie ist es, Schwester Hille, die Er auserwählt hat, dem Erdball sein Zeichen zu geben!
Alle verneigen sich voller Achtung vor Hille.
Johann. Zittere nicht, Hille. Berichte den Brüdern, wie Gott dich erleuchtete.
Hille beginnt sehr leise und unsicher: Ich bin eine arme unwürdige Magd des Herrn! Ich bin voller Sünden. Ich bin Witwe, mein Mann ist vor drei Jahren gestorben. Ich suche, da ich sündig bin, den Weg zu Gott, und kam am Charfreitag nach Münster. In den letzten Wochen aber ...
Johann. Sprich getrost, Hille. Du sprichst vor Brüdern, die dich lieben.
Hille verliert die Unsicherheit, wird immer überzeugter, bis sie endlich in einem fast überirdischen Glanz erstrahlt: In den letzten Nächten, da erschien ein silberner Glanz in meinen Träumen. Zuerst achtete ich seiner nicht, da ich töricht bin. Aber der Glanz wurde stärker in jeder Nacht und so betete ich zu Gott, mich zu erleuchten. Da kam der Glanz wieder in einer Nacht und siehe da, ich sah, daß ein himmlischer Bote bei mir weilte.
Alle sind bewegt und erregt.
Johann. Stört sie nicht!