Divara tritt ein, sie betrachtet Johann eine Weile: Du bist unruhig, Johann?

Johann regt sich nicht von der Stelle, leise: Ich höre viele Stimmen in mir.

Divara. Du solltest schlafen. Johann. Zwei Nächte und zwei Tage bist du ohne Schlaf. Und heute war ein heißer Tag.

Johann. Schlaf? Wer könnte jetzt schlafen? – Ein neuer Tag ist angebrochen, ich fühle es, Divara. Oft habe ich gezweifelt, ob es recht sei, mit dem Schwerte für das Evangelium zu kämpfen. Die ersten Täufer berührten kein Schwert, wie die ersten Christen es nicht berührten.

Divara. Du weißt, Johann, daß Gott Mathys das Schwert in die Hand gab und ihm befahl, die Ungläubigen mit dem Schwerte zu bekämpfen.

Johann. Wohl weiß ich es. Wer aber kennt Gottes Beschlüsse? Ich höre eine Stimme, die sagt, daß ein neuer Tag heraufkommt. Gott hat mir durch Hille Feiken ein Zeichen gegeben. Ich höre eine Stimme, die sagt: Wirf das Schwert weg, Johann. Nimm einen grünen Zweig in die Hand und gehe damit den Feinden entgegen. Sie werden vor dir niederfallen und du wirst sie besiegen. Ich will meine Feinde mit dem Geiste schlagen, spricht die Stimme, und nicht mit dem Schwert. Er taumelt vor Erschöpfung.

Divara. Du bist müde, Johann, ruhe. Lege deinen Kopf in meinen Schoß, wie du es oft getan hast. Schlafe und die Zweifel werden dich nicht quälen. Das Lamm Gottes hat genug geblutet, du weißt es. Deshalb lehrte Mathys die Vernichtung der Ungläubigen.

Johann legt den Kopf in Divaras Schoß. Augenblicklich fällt er, halb kniend, halb liegend, in Schlaf.

Divara starrt vor sich hin voller Gram und Sehnsucht: Mathys! Mathys!

Johann. Riefst du?