Der Bürger schreit, wird von den Knechten die Treppe hinaufgestoßen.
Der Vorhang der Mitteltüre wird auseinandergenommen. Eine Schar von Würdenträgern und Beamten, teils in weltlicher, teils in geistlicher Tracht, tritt in den unteren Saal. Einige Marschälle und Feldobersten, darunter Meinhard von Hamm. Ferner Graf Seedorf.
Zuletzt erscheint der Bischof.
Der Bischof ist etwa 60 Jahre alt. Sein Gesicht ist staubgrau und ohne jedes Leben. Öffnet er aber die Augen, so funkeln sie. Seine priesterliche Milde ist nur gespielt. Verschlagenheit und Härte brechen zuweilen unvermittelt durch die Maske.
Bischof noch oben: Die Welt geht auf allen vieren, ihr Herren. Die Welt ist aus dem Gleichgewicht geworfen und kann ihre Ruhe nicht wiederfinden. Alles Menschliche neigt sich zu kläglichem Untergang und wir sind fast ohne jegliche Hoffnung.
Franz von Frankreich brandschatzte Rom, der Türke zog gegen die christlichen Völker, Hessen und Württemberg bedrohen den österreichischen Ferdinand, Lübeck liegt im Krieg mit Holstein. In allen Ländern stehen die Kriegshaufen, bereit, über die Grenze zu fallen. Dazu Hungersnot, Pestilenz und englischer Schweiß in vielen Provinzen. Gott züchtigt seine Völker mit mancherlei Geißeln. Steigt herab in den unteren Saal.
In unserem Stift Münster hat der Satan selbst seine Feste aufgeschlagen, mitten im Land, und das arme Volk verführt und geblendet.
Dies sind die Zeiten, ihr Herren, ohne Schlaf und ohne Trost.
Er wird zu seinem Ledersessel geleitet.
Gott ist unser Zeuge, liebe Freunde, daß wir nichts unversucht gelassen haben, um unserem geprüften Lande die Ruhe wiederzugeben. Wir haben keine Opfer gescheut. Siebzigtausend Goldgulden haben wir aus unserer Schatulle bis heute bezahlt und dazu Gelder bei Freunden und Vettern geliehen. Meldet es getrost meinem Vetter, dem Kurfürsten von Sachsen, Graf Seedorf. Wir sind heute so arm, daß wir unsere Knechte und Hauptleute nicht mehr bezahlen können. Unsere Freunde und Vettern, der Erzbischof Hermann von Köln, Herzog Johann von Cleve, Landgraf Philipp von Hessen, Herzog Ernst von Lüneburg, Herzog von Geldern, die Räte der Städte Deventer, Campen und Zwolle haben uns mit Geschütz, Pulver, Knechten und Darlehn unterstützt, so gut sie konnten.