Andere Freunde und Nachbarn freilich ließen uns im Stich, obwohl wir Briefe über Briefe und Sendschreiben über Sendschreiben an sie schickten. An unserm Eifer mangelte es nicht. Aber, leider muß ich es bekennen, die Sache des Reiches und der Christenheit scheint ihnen nicht so wichtig wie Hofhaltung und Hirschjagden. Nun ist unsere Not groß. Aber wir verzagen nicht. Wir setzen unsere Hoffnung in den himmlischen Schirmherrn und unsere Freunde. Sagt es Eurem erlauchten Herrn, dem Kurfürsten, Graf Seedorf.
Graf Seedorf verneigt sich.
Der Bischof zu Meinhard von Hamm: Und nun, unser lieber Feldoberst Meinhard von Hamm, da Ihr Euch mit eigenen Augen von dem Stand der Dinge in Münster überzeugen konntet, wollt Ihr uns Euren Rat wissen lassen.
Meinhard von Hamm. Vor allen Dingen, Eure fürstliche Gnaden, scheint es das Dringendste, das Lager zu beruhigen. Die Kriegsknechte sind unzufrieden, da sie seit vier Wochen keinen Sold erhielten. Können wir auch den Sold nicht ganz bezahlen, so sollte der Knecht doch einen Teil erhalten.
Johann von Raesfeld. Einen Galgen errichtet im Lager, Meinhard!
Der Bischof. Geld! Seht meine Hände. Selbst Siegelringe und Angebinde hoher Freunde und Erbstücke sind längst dahin und verpfändet.
Meinhard von Hamm. Eure fürstliche Gnaden mögen mich ermächtigen, fünftausend Bauern zum Schanzen aufzurufen. Gräben, Palisaden, Wolfsgraben und Blockhäuser sollen Münster so fest umschließen wie ein Ring den Finger. So nützen wir die Zeit, bis wir Kräfte zu einem neuen Angriff gesammelt haben, beschäftigen die Kriegsknechte und erfüllen sie mit Vertrauen und geben allen christlichen Fürsten einen Beweis unserer Ausdauer und Zuversicht.
Bischof. Gut, Meinhard. Nehmt zehntausend Bauern.
Johann von Raesfeld. Eure fürstliche Gnaden mögen eine neue Mahnung an die Lehnsleute und Ritter und Städte des Stifts richten, mit allem, was sie haben an Pferden, Reisigen, Waffen, Wagen sich im Lager einzufinden.
Bischof. Es soll eine letzte Mahnung sein. Wer ihr nicht nachkommt, dem soll unsere Gnade entzogen werden für immer.