Ich wußte nicht, wie diese Nacht verging. Zuweilen polterte es, als stürze der Himmel zusammen, bläuliches Licht flog über die Wände, im Walde knatterte es. Es prasselte gegen Scheiben, als regne es Zähne, der Sturm setzte sich auf das Dach des Hauses, hopste wie ein Reiter darauf herum und johlte, er peitschte das Haus, daß es klatschte. Glas klirrte. Der Regen schwieg, der Wind schob das Haus vor sich her, hinein in den Wald, über den schwarzen kochenden brodelnden Wald flog der schreckenbleiche Mond, verfolgt und gebissen von langgestreckten Wolkenhunden. Wieder rauschte es, an den Scheiben floß das Wasser herunter.
Fieber, Schüttelfrost. Ich wärmte sie. Ich küßte sie. Ich sprach, ich lachte, schrie — — — Nein, ich solle nicht versucht haben, das Undenkbare wieder zurückzurufen. Es martert mich. Von allem, was ich früher und später erlebte, ist nichts entsetzlicher, nichts martert meine Gedanken so als die Erinnerung daran.
War es Irrsinn, was ich tat? Ich weiß es nicht.
Nein, es war nicht Irrsinn, nein — — —
Ich sprach von mir. Ich erzählte der empfindungslosen Seele von unserem Sommer, von unserer Liebe, unseren Nächten, stundenlang. Ingeborg wurde ruhiger. Dann geschah etwas — es war das Schrecklichste — —
Ingeborg blickte mich mit sprühenden Blicken an.
Sie flüsterte. „Karl — Karl!“ flüsterte sie.
Sie sprach von Angst und Liebe. Und ich beruhigte sie.
„Karl liebt dich ja. Bin ich nicht bei dir, Karl?“
Aber sie war voller Angst. Sie sprach und fieberte. Sie könne mir nie folgen, ich solle es doch nicht verlangen! Da sei ja auch Axel, und auch Axel liebe sie.