Stunden verrannen und die Sonne ging auf.
„Sonne, Sonne!“ rief ich leise und küßte den ersten Strahl. Ich öffnete das Fenster. Der Wind hat nachgelassen, wie gut das war. Die Luft war herrlich, naßgewürzt. Diese Luft würde Ingeborg vollends heilen. Vereinzelte Tropfen fielen aus dem Himmel. Sie glitzerten in der Sonne. Es regnete Honig. Die Straße war zerwühlt und Bäche stürzten den Berg hinunter. Die Wiese vor dem Hause war mit Schlamm und Sand überschwemmt.
O! die kleine Birke lag zerfetzt auf dem Rasen und die Bank, die ich mit Ingeborg zimmerte, war verschwunden, nur die Pfähle standen noch und ein Splitter des Sitzes hing an einem herab.
Weiter unten lag der Wipfel eines Apfelbaumes auf der Straße, wie in einem Bache lag er da. Ein Bauernknabe kletterte auf ihm herum.
Da begann Ingeborg wieder zu flüstern und zu sprechen und ich beruhigte sie wie in der Nacht. Das Fieber war nicht mehr so heftig, aber es nahm meine ganze Kraft in Anspruch.
So verging der Tag und die nächste Nacht, die voll wilder Schreie und Hilferufe war, als würden Leute drinnen im Walde erschlagen, und voller Stöhnen, als habe man Menschen an die Bäume genagelt.
Am andern Morgen fühlte ich mich aufgehoben und ich erkannte Karl. Sie hatten die Türe erbrochen.
„Ingeborg schläft,“ sagte er, „es geht besser!“ Er stützte mich und führte mich hinaus. Und ich hatte das Gefühl, als sei ich ein Greis, schneeweiße Haare, zitternde Füße, ein gekrümmter Rücken.
Es war ein Winken in mir, ein Leuchten, eine Drohung, eine drohende Faust wuchs aus meiner Seele, ich sah sie — aber ich lächelte —
Ich fühlte nicht mehr, was mit mir geschah.