20
Jemand rüttelte meinen Arm und ich hatte das Gefühl, als sei ich ein Baum, der geschüttelt werde.
Ich schlug die Augen auf, so gut es ging, aber sie fielen mir sofort wieder zu.
Eine tiefe Stimme sprach, ich hörte meinen Namen und etwas von Ingeborg. Es war mir aber alles einerlei, nur Ruhe wollte ich haben, und ich sank wieder in eine wohltuende Finsternis und Erstarrung zurück. Man schüttelte mich nach langer Zeit wieder am Arm und diesmal hörte ich Karls Stimme. Karl sagte, daß es gut stünde mit Ingeborg. Es sei Zeit aufzuwachen. Ich öffnete die Augen und sah einen rothaarigen lachenden Kopf dicht vor mir. Es war Karl. Ich hatte wiederum vergessen, daß Karl eben zu mir sprach. Da schlief ich schon wieder. Wasser plätscherte und etwas Kaltes und Nasses fuhr über mein Gesicht. Ich duckte mich zusammen, aber das Nasse verfolgte mich, und ich schlief und dachte, daß das keine Neuigkeit sei, daß es gut stünde mit Ingeborg. Die Sperlinge pfiffen es am Dache. Doch war irgend ein Schrecken in mir, als ob etwas Furchtbares geschehen wäre. Dieser Schrecken weckte mich plötzlich auf.
„Wie geht es Ingeborg?“ fragte ich.
Es ginge vorzüglich. Sie schlafe ruhig.
Weshalb erschrak ich doch? dachte ich. Etwas Furchtbares muß geschehen sein, aber wenn es gut mit Ingeborg geht, was sollte dann noch Furchtbares möglich sein?
„Du hast drei Tage geschlafen, Axel,“ sagte Karl und lächelte gütig. Sein Lächeln war so schön und fein, daß es mir wie eine Liebkosung erschien.
Ich erhob mich mühsam. Ich war sehr müde und mein Kopf war wie mit Blei ausgegossen. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen.