Aber Ingeborg war ja gerettet!

Ich saß auf dem Bettrande und lächelte. Ich vermochte das Glück nicht zu fassen.

Und Karl zog mir die Strümpfe an, der Dichter Karl Bluthaupt half mir in die Strümpfe! — — —

Freudenfeuer auf den Bergen! Tanz, Spiel und Gesang! Gold in die Hütten der Armen!

Zwei Tage und zwei Nächte brennt lichterloh ein Wald auf der Höhe, mein Wald. Die Feuerwehren aller Dörfer sind ausgerückt mit vielem Getute und Gerumpel. Laßt ihn brennen! Laßt ihn brennen! Lichterloh flammt der Wald durch die Nacht. Weithin muß man es sehen.

21

Ingeborg sitzt auf der Veranda, ein Tuch um die Schultern geschlungen. Sie ist bleich und man glaubt, das Blut in den Adern der Schläfen und der Hand laufen zu sehen. Mit staunenden großen Augen blickt sie in die Bäume, die in der Sonne eingenickt sind, auf die Wiese, die duftet und leicht schwankt im Schlafe, hinab ins Tal. Dort stehen kleine Pferde und Wagen und kleine Wesen sind beschäftigt, Heu auf die Wagen zu schichten. Zuweilen blitzt etwas auf, ein Beschläge, eine Gabel, eine Sense, feine verwehte Rufe dringen herauf.

Nach den Tagen voll ziehender Gewitter, folgten Wochen herrlicher Sonne, jener Sonne, die flimmernd rot und gleichmäßig über der Erde liegt, wenn der Sommer zu Ende geht.

Die Schwalben schossen schrillend in der Luft, bald schmal wie Fische, bald wirbelnd wie kleine Turbinen. Bald schwebten sie alle auf eine Stelle zusammen, bald verteilten sie sich blitzschnell nach allen Richtungen über das ganze Tal. Sie schrien, sie konnten wie ein Pfeil in die Höhe schießen, sie konnten wie ein Stein herunterfallen, um plötzlich die Flügel auszubreiten und ruhig zu schweben wie ein Raubvogel.